Bleibt wach, Bleibt wach, Bleibt wach, Bleibt wach Wie die Politiker das Volk verarschen
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Dienstag, 24. November 2009

Die historische Entwicklung

Die-historische-Entwicklung-des-Linneschen-Rosengartens (pdf, 297 KB)

Sonntag, 12. Juli 2009

Scusi

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Samstag, 27. Juni 2009

Die verkaufte Bildung

In: Ingrid Lohmann / Rainer Rilling (Hg.):
Die verkaufte Bildung - Kritik und Kontroversen zur Kommerzialisierung von Schule, Weiterbildung,
Erziehung und Wissenschaft. Opladen 2002, 279-299.
Martin Bennhold
Die Bertelsmann Stiftung, das CHE und die Hochschulreform:
Politik der ´Reformen´ als Politik der Unterwerfung1
Jeder ist unseres Glückes Schmied
Bertelsmann AG: Motto für das Jahr 1999
Wir wollen die Welt erobern
Äußerung eines Regierungschefs während der EU-Finanzminister- Konferenz in Malmö
(Financial Times Deutschland vom 23. April 2001)
An den Hochschulen und im Bildungssystem überhaupt regt sich Widerstand. Er ist
zunehmend mit dem Interesse verbunden, die Zusammenhänge zu erkennen, in denen die so
genannten – und von vielen als höchst merkwürdig und inkompetent empfundenen –
´Reformen´ stehen.2 Allerdings ist die Bewegung noch klein; und noch wenig begriffen ist, in
welchem Maße mit den vorgesehenen neuen Strukturen an den Hochschulen und insgesamt
im Bildungswesen hohe Politik betrieben wird, ja, im wahrsten Sinne herrschende Politik: im
nationalen wie im internationalen Maßstab.
Es geht in der ´Reform´-Debatte nicht einfach darum, Mängel in Lehre und Forschung zu
beseitigen oder gar linke und andere kritische Positionen zu eliminieren. Es geht mindestens
im selben Umfang um die Auflösung von Positionen, die an ständisch-traditionellem
Gedankengut, z.B. an der überkommenen Ordinarienherrschaft, orientiert sind. Das macht die
Lage einerseits kompliziert, andererseits wird dadurch klar, dass es sich hierbei nicht um
einen bloßen Rückschritt handelt, etwa im Sinne einer Wiederherstellung alter Strukturen
oder eines Machwerks der Ewiggestrigen, sondern dass es um etwas Neues geht, um eine
fundamentale Strukturänderung – so fundamental, dass sie auch mit allen demokratischen
Kontrollen und sonstigen Demokratie-Elementen an Hochschulen Schluss machen soll,
desgleichen mit traditioneller Autonomie sowie mit den sozialen Elementen, die das deutsche
Hochschul- und Schulsystem noch kennzeichnen.
Bei der folgenden Untersuchung eines Teils der Instrumente, Methoden und Hintergründe, die
zur Planung und Durchsetzung der herrschenden Hochschulpolitik gehören, wird differenziert
zwischen einer politischen Freiheit, an der demokratische Maßnahmen und Kontrollen stets
zu messen sind, und einer Markt-´Freiheit´, welche die beliebige Disposition über jene
1 Der folgende Beitrag ist ein fortgesetzter Versuch, die Hintergründe der sog. „Reformen“ zu analysieren, die
die Hochschulen (aber auch insgesamt das Bildungswesen) in Deutschland zu überrollen drohen. Frühere
Fassungen der CHE-bezogenen Teile des Beitrags sind in Forum Wissenschaft 3/1999, sodann in dem
Sammelband Butterwegge/ Hentges 1999 erschienen; für die Zustimmung zum Wiederabdruck der
entsprechenden Abschnitte danke ich dem agenda Verlag, Münster. Die Untersuchung bleibt weiterhin ein
Versuch, also lückenhaft; die Komplexität des Themas erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise – also
einen kollektiven Zusammenschluss in der kritischen Analyse, wie ihn die „Reformen“ selbst und die
verschärfte Konkurrenz, die sie anpeilen, gerade verhindern sollen.
2 So haben z.B. Senat und Konzil der Universität Osnabrück (in Beschlüssen vom 13. Dezember 2000 und vom
7. Februar 2001) zum ersten Mal konfrontativ gegen den Entwurf eines auf jener „Reform“-Linie
vorpreschenden Landeshochschulgesetzes der Regierung in Hannover Stellung genommen, desgleichen gegen
die „Reform“-Grundzüge des Fakultätentags – nicht zu vergessen die neuerlichen Proteste der StudentInnen z.B.
an der Freien Universität Berlin in der Immatrikulationsfeier am 18. April 2001, zuvor an sächsischen
Hochschulen am 7. und am 12. Dezember 2000, sowie den daraus hervorgegangenen bundesweiten Protesttag
am 16. Mai 2001.
besondere Art Eigentum meint, womit man über Kapital und damit nach dessen Gesetzen
über andere Menschen und deren Arbeitskraft, desgleichen über die Arbeitskraft ganzer
Regionen verfügen kann.
Ökonomie und Politik des konzentrierten Kapitals
Wir haben es an der Wende zum 21. Jahrhundert – wie vor 100 Jahren schon einmal – mit
einem Schub besonders rapider politisch-ökonomischer Entwicklungen zu tun. Die
Konzentrations- und Zentralisationsbewegungen des Kapitals sind von gewaltigen
Beschleunigungen bestimmt. Eine Kapitaleinheit frisst die andere, treibt sie in den Ruin,
vereinigt sich mit ihr per Ausgleich oder Zielanpassung, damit die nächsten Fusionen
vorbereitend. So sind heute feindliche und freundliche Übernahmen an der Tagesordnung.
Die größten Kapitale schließen sich Ländergrenzen und Kontinente übergreifend auf höchster
Ebene zusammen, und dabei wird so getan, als ob dies rein ökonomische oder gar
fortschrittliche Prozesse seien. Tatsächlich handelt es sich um höchst politische Prozesse, die
jeweils zugleich Schritte in Richtung ökonomisch-politischer Diktate auf wachsender
Stufenleiter darstellen. Und jede dieser Stufen verschärft den Widerspruch zwischen
demokratischer Einflussnahme und sozialer Kontrolle von unten auf der einen und der
tatsächlichen ökonomisch-gesellschaftlichen Macht auf der anderen Seite.
Dies ist der Grund dafür, dass sowohl soziale als auch politische Kontroll- und
Widerstandspotenziale sowie demokratische Strukturen zunehmend eingeschränkt, abgebaut
und ersetzt werden sollen: einerseits durch Mechanismen mit vielfach scheinhaften, reinen
Legitimationsfunktionen, andererseits durch verschiedene Arten ökonomisch-politischer
Diktate, mit denen etwa Regierungsprogramme bestimmt werden, Kabinette verändert,
Minister zum Rücktritt gezwungen, Gesetze präjudiziert oder in aller Öffentlichkeit
missachtet etc.. Dabei verfährt man mit solchen Diktaten immer ungeschminkter und
selbstverständlicher. Die Diktate folgen oft genug nicht etwa ökonomischer Not, sondern
umgekehrt und dann in besonders verschleierter Weise ökonomischen Interessen an weiterer
Bereicherung und weiter optimierten Bedingungen für jeweils nächste
Konzentrationsbewegungen des Kapitals, die nächste gesellschaftliche Machterweiterung
anpeilend. All dies ist heute so fortgeschritten, dass der alte Streit über die Priorität von
Ökonomie oder Politik längst obsolet ist: diese Ökonomie ist die Politik des Kapitals – sie ist
durchgängig politische Ökonomie. Für das Kapital auf einem solchen Niveau ist der Begriff
Reichtum schon lange nicht mehr angemessen, sondern eine verschleiernde Kategorie, die
hinter dem Schein rein quantitativer Differenzen zwischen Arm und Reich die hochpolitische
Qualität jenes Kapitals verschwinden lässt.
Mit Konzentrationsbewegungen der beschriebenen Art wird die Zahl der Menschen, die das
Kapital repräsentieren, immer kleiner, und deren Interessen geraten in immer tieferen
Widerspruch zu den in der Gesellschaft verbreiteten sozialen, ökonomischen, politischen und
das heißt zugleich: demokratischen Interessen. So entwickelt sich eine kleinste Minderheit,
ausgestattet mit unglaublicher ökonomischer Macht und in deren Ausübung kaum noch
behindert, außer z.B. durch soziale und andere Mindeststandards garantierende
nationalstaatliche Gesetze und Maßnahmen sowie durch soziale und demokratische
Bewegungen, die sich der Durchsetzung solcher Standards widmen. Was ich mit „kleinster
Minderheit“ meine, sei nur mit zwei Zahlenangaben illustriert: Der reichste Mann der Welt
(nicht mehr Bill Gates, sondern nunmehr Sam Robson Walton) verfügt über ein Vermögen
von umgerechnet 150 Mrd. US-Dollar, also über weit mehr als die Jahreshaushalte der
meisten Staaten. Noch deutlicher als im Einzelbesitz kommt die am Ende des 20.
Jahrhunderts erreichte Zentralisation des Kapitals – das notwendige Ergebnis des
Konkurrenzprinzips – in der Verteilung des Kapitals am oberen Ende und am unteren Ende
der Eigentumsskalen zum Ausdruck: Nach dem UN-Bericht über die menschliche
Entwicklung von 1996 besaßen Mitte der neunziger Jahre 358 Dollar-Milliardäre, eine
verschwindende Minderheit unter den damals 4,6 Mrd. Menschen, soviel wie fast die Hälfte
der Menschheit. Und dies ist nur eine vorläufige Stufe der Entwicklung; der Bericht stellt eine
weiterhin „wachsende Ungleichheit der Einkommen auf nationaler wie auf internationaler
Ebene“ fest (Frankfurter Rundschau vom 5. November 1996, 12).
Aber dies gilt längst nicht nur auf globaler, es gilt ebenso auf nationaler Ebene: In der
Bundesrepublik Deutschland z.B. verfügte bereits 1992 das oberste Prozent der reichsten
Haushalte (in den alten Bundesländern) über 23 Prozent des westdeutschen Privatvermögens,
und die oberen 10 Prozent der Haushalte besitzen inzwischen deutlich über 50 Prozent jenes
Gesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte dagegen, also 50 Prozent der
westdeutschen Gesellschaft, verfügten bereits vor 10 Jahren nur über 2,5 Prozent des
gesamten Privatvermögens. Und so schlägt sich die Spaltung zwischen Arm und Reich auch
in den Einkommen nieder: Während die Einkommen der Selbständigen in den neunziger
Jahren rapide stiegen, ist 1997 (im dritten Quartal) erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik
die Bruttolohn- und -gehaltssumme gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres
gesunken (Huster 1996, 1997, Schui 1996, Becker 1997). Das heißt zugleich, dass sich in
Deutschland ein Phänomen immer mehr ausbreitet, das uns aus den reichen,
hochindustrialisierten Ländern USA und Großbritannien längst bekannt ist: Auch bei
wachsendem gesellschaftlichem Reichtum nimmt Armut unter den dortigen Bedingungen zu,
oder mit den Worten des Caritas-Präsidenten Helmut Puschmann: „Armut und
Armutsgefährdung fressen sich bis weit in die mittleren Schichten der Gesellschaft hinein“
(Frankfurter Rundschau vom 3.6.2000, 11). Immerhin hat in Deutschland, einem Land
wachsender Armut, das Privatvermögen (ohne Kredite) von 1,2 Billionen DM (1970) über 9,5
Billionen DM (1992) auf heute über 14 Billionen DM zugenommen (Neue Osnabrücker
Zeitung vom 18. Januar 2000).
Mit solchen Zahlen wird verständlich, dass diese Phänomene mit dem Gegensatz reich und
arm nicht mehr angemessen erfasst werden können, dass es auch eine Beschönigung ist, wenn
hier von Ungleichheit oder von Unterprivilegierung gesprochen wird oder gar von einem
Gerechtigkeitsdefizit. Es handelt sich hier um einen fundamentalen Widerspruch, der nicht
nur die Ökonomie betrifft, sondern immer zugleich die Politik; und dies umso mehr, als das
so konzentrierte Kapital im Maße seiner Konzentration darauf angewiesen ist, zu expandieren
und nochmals zu expandieren und dafür auch die politischen Bedingungen zu schaffen, sei es
mit friedlichen, sei es mit kriegerischen Mitteln. Das vergangene Jahrhundert gibt dafür
hervorragende Beispiele, vor allem in den Großkriegen, an denen das Deutsche Reich mit
seinen ökonomischen und territorialen Expansionsinteressen beteiligt war. In dieser Hinsicht
haben wir heute keine neuen Verhältnisse. Auch heute gilt, dass jene kleinste Minderheit ihre
Diktate demokratischen Bewegungen und Interessen scharf entgegensetzt, nicht zuletzt durch
politisch-ökonomischen Druck auf staatliche Willensbildungsprozesse mittels kapitalistischer
Gründungen, Stiftungen und anderer ökonomischer Maßnahmen oder aber über scharfe
Sanktionen wie Entlassungen, Kreditentzug usw.
Die Politik einer solchen extremen Minderheit, d.h. diese politische Ökonomie, kommt ohne
dreierlei nicht aus: erstens eine kontinuierliche, sich intensivierende Propaganda für
´unpopuläre Maßnahmen´, zweitens die fundamentale Verkehrung von Sprache als
Kommunikations- und Erkenntnismittel in ein Instrument zur Verschleierung und
Erkenntnisverhinderung sowie, vermittelt dadurch, drittens die Schaffung von Ideologien, die
gesellschaftlich herrschende Gesetze der Ökonomie als unvermeidliche Naturgesetze
erscheinen lassen und ´geistige Orientierung´ mithilfe von Wirklichkeitskonstruktionen
liefern sollen, denen die Fähigkeit zugesprochen wird, den gesellschaftlichen Zusammenhalt
überhaupt erst zu gewährleisten (vgl. Schöller 2001). Häufig werden dabei positiv besetzte
Begriffe für Maßnahmen verwendet, die die Lebensbedingungen einer wachsenden Mehrheit
von Menschen substanziell verschlechtern. Was Pierre Bourdieu für Frankreich feststellt, gilt
auch hierzulande: „alles kommt in einer schönfärberischen Sprache daher, die uns förmlich
überschwemmt, die wir aufsaugen, wenn wir die Zeitung aufschlagen, wenn wir Radio hören
[...], man spricht nicht mehr von Stellenabbau, sondern von ´Verschlankung´, in Anlehnung
an den Sport (ein kräftiger Körper muss schlank sein). Wenn ein Unternehmen 2000 Leute
entlässt, wird man von einem ´mutigen Sozialplan´ sprechen. Es gibt ein ganzes Spiel mit den
Konnotationen und Assoziationen von Wörtern wie Flexibilität, Anpassungsfähigkeit,
Deregulierung, das glauben macht, die neoliberale Botschaft sei eine der allgemeinen
Befreiung“ (Bourdieu 1998, 50). Dazu gehört auch, dass heute alles ´Reform´ heißen muss,
und zwar umso entschiedener, je brutaler der Eingriff ist.
Dies weiß am besten ein Medienunternehmen wie die Bertelsmann AG, ein Konzern mit
flexibler christlicher und NS-Vergangenheit (Die Woche vom 18.1.2000). Dieser Medienriese
ist der größte in der Bundesrepublik und der weltweit verflochtenste, global ungleich
verbreiteter als seine mächtigsten Konkurrenten AOL Time Warner und Vivendi Universal.
Auf Initiative dieses Konzerns und aus seinen Strukturen heraus, insbesondere über die
Bertelsmann Stiftung, wurde im Mai 1994 das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)
gegründet – ein Instrument zur Steuerung der Hochschulreform mit Zielen, die weder
altruistisch noch gemeinwohldienlich sind, sondern mit den Interessen des Konzerns selbst
und sonstigen hochkonzentrierten Kapitals zu tun haben.
Das CHE – personelle und institutionelle Einbindungen
Das Centrum für Hochschulentwicklung, angesiedelt in Gütersloh, dem Sitz sowohl des
Konzerns als auch der Bertelsmann Stiftung, hat eine private Rechtsform und dennoch
öffentliche Funktionen. Das garantiert ´Unabhängigkeit´ – man ist frei von allen, auch
indirekten demokratischen Kontrollen und nur dem Konzernkapital verpflichtet –, aber auch
Einfluss, dessen Umfang von der Macht des Kapitals, das hinter ihm steht, sowie den
Verpflichtungen und Verbindungen abhängt, die es repräsentiert. Im Falle des CHE wird dies
in spezifischer Weise ergänzt durch eine breite öffentlich-institutionelle Fundierung, d.h.
durch engste Verflechtung mit Einrichtungen des hoheitlichen Sektors. Mit einem Jahresetat
von 2-3 Mio. DM ist das CHE eine private, als gemeinnützig anerkannte GmbH und dennoch
mitgegründet durch die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), also durch eine Versammlung
der Repräsentanten hoheitlicher Bildungseinrichtungen, die der Form nach durch die Stiftung
zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (als juristische Person) selbst vertreten sind.
Bis heute steht das CHE in engstem Verbund mit der HRK.
Sein Leiter, Detlef Müller-Böling, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität
Dortmund, hatte schon während der 13. Wahlperiode (1994-98) des Bundestages enge
Beziehungen zum damaligen Wissenschaftsminister Jürgen Rüttgers. Er war von ihm an jenen
Runden Tisch berufen worden, der im Wissenschaftsministerium zum
Hochschulrahmengesetz eingerichtet worden war. Zum damaligen Bundespräsidenten Roman
Herzog und zu dessen Amt bestanden enge und immer wieder erneuerte Kontakte. Unter
seiner Schirmherrschaft wurde der Initiativkreis Bildung tätig, welcher – an prominentester
Stelle – Vorschläge zur Erneuerung des Bildungswesens entwickeln und damit einer der
zahlreichen institutionellen Impulsgeber sein sollte, die das CHE etabliert hat. Desgleichen
wurden im Benehmen mit dem und unter Beteiligung des damaligen Bundespräsidenten ab
und zu Nationale Bildungskongresse veranstaltet, sämtlich mit der Funktion bedacht, die vom
CHE längst propagierten Umstellungsimpulse zum Bildungswesen auf zentraler Ebene zu
verstärken.
Auf Länderebene ist das CHE vielfach aktiv. Sein Leiter ist, um nur einige Beispiele zu
nennen, Mitglied der Hochschulstrukturkommission in Baden-Württemberg und Berater des
Bundes Norddeutscher Hochschulen; das CHE leitet bei der Landesregierung Niedersachsen
den Wissenschaftlichen Beirat, der das Modellvorhaben für eine Erprobung der globalen
Steuerung von Hochschulhaushalten im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für
Wissenschaft und Kultur begleitet.3 Außerdem steht das CHE in vertraglicher Kooperation
mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Freistaates Thüringen.
Damit sind nur einige der zahlreichen institutionalisierten und in juristische Formen
gegossenen Kooperationen genannt.
Interessant ist der zehnköpfige Beirat, den die Bertelsmann Stiftung dem CHE zugeordnet
hat. In ihm saßen 1999 zwei hochrangige Kapitalvertreter: Mark Wössner,
Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung (in dieser Eigenschaft und in seiner
Beiratsfunktion hat er im Oktober 1998 Reinhard Mohn abgelöst, den einflussreichsten
Vertreter der Familie Mohn, die den Bertelsmann-Konzern insgesamt beherrscht), und Tyll
Necker, Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, sowie acht
Universitätsprofessoren, darunter zwei Wissenschaftsminister (Sachsen, Rheinland-Pfalz), der
Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, sowie dessen Vorgänger, der
nachmalige Präsident der Vereinigung der Rektorenkonferenzen der EU-Mitgliedstaaten,
Hans-Uwe Erichsen. Für lange Zeit war auch der einflussreiche Politikwissenschaftler Werner
Weidenfeld im CHE-Beirat; er gehörte zu den engen Vertrauten des damaligen
Bundeskanzlers Helmut Kohl und ist bis heute Mitglied des Vorstands der Bertelsmann
Stiftung. Werner Weidenfeld ist damit an führender Stelle der Bertelsmann Stiftung, die – wie
das Handelsblatt schreibt – die „wahrscheinlich größte, auf jeden Fall aber einflussreichste
Stiftung Deutschlands“ ist (vgl. M – Zeitung der IG Medien für die Fachgruppe Journalismus,
3/ 2000, 19), und verbindet sie mit seinem Münchner Centrum für angewandte
Politikforschung (CAP), einem 1995 gegründeten Institut, das heute seinerseits die größte und
einflussreichste Einrichtung ihrer Art in Deutschland ist. Gemeinsam stehen sie in
unmittelbarer „Beratungskooperation mit dem Planungsstab des Auswärtigen Amtes“ (CAP
2001). Alle diese Personen und Institutionen sind beteiligt an einer geradezu
institutionalisierten Loslösung wichtiger Planungs- und Entscheidungsprozesse von
demokratischen Einflussmöglichkeiten, sind beteiligt an systematischer Entdemokratisierung,
ohne die die Hochschul-´Reformen´ wohl kaum durchzusetzen wären.
Verbindungen zwischen Bertelsmann AG, Stiftung und CHE
Das CHE ist nicht nur eine Gründung der Bertelsmann Stiftung, sondern auch in seiner
Existenz und seinem Wirkungsgrad von ihr abhängig. An der Spitze der Stiftung stand lange
Zeit Mark Wössner; er war bis Oktober 1998 Chef der Bertelsmann AG, die ein Weltkonzern
in der Form einer Holding ist. Sein Vorgänger in beiden Funktionen, Reinhard Mohn, hatte
die Stiftung 1977 gegründet, und zwar entsprechend seinem Motto „Eigentum verpflichtet zur
Verantwortung für die Gesellschaft“. Wohl zunächst unter steuerlichen Gesichtspunkten
3 Dieser immerhin von einer Landesregierung eingesetzte Beirat hat seine Geschäftsstelle in
den Räumen des CHE in Gütersloh, das seinerseits innerhalb des Bertelsmann-Anwesens
residiert.
etabliert, wurde die Stiftung schon bald für zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen in
Anspruch genommen. Die entscheidende Perspektivänderung nahm Reinhard Mohn 1993 vor.
Er übertrug 68,8 Prozent (heute sind es 71,1 Prozent) des Grundkapitals der Bertelsmann AG
auf die Stiftung, also über zwei Drittel der Anteile des Bertelsmann-Konzerns als Holding,
und verband mit dieser gewaltigen Transaktion eine neue programmatische Perspektive: Von
der Stiftung sollten nicht mehr im wesentlichen Einzelprojekte gefördert werden, sondern
flächendeckende Initiativen mit gesamtgesellschaftlicher und damit hochpolitischer
Wirksamkeit.
Wie eine solche Aktivität aussieht, sei an einem Beispiel verdeutlicht. Die Bertelsmann
Stiftung hat sich bereits 1996 – über eine im Vorjahr durchgeführte weitere Gründung, die
Bertelsmann Wissenschafts-Stiftung – mit Werner Weidenfelds Centrum für Angewandte
Politik (CAP) zusammengetan, um Empfehlungen für eine Kosovo-Politik auszuarbeiten. Die
Zusammenarbeit mündete in Strategies and Options for Kosovo und stand u.a. unter der
Fragestellung How to realise independence for Kosovo? (vgl. Troebst 1998, 88, der dies nicht
ohne Genugtuung berichtet).
Dementsprechend reichlich und z.Zt. rapide wachsend ist das Budget der Bertelsmann
Stiftung: Es betrug 1998/99 nicht weniger als 83 Mio. DM, das waren 11 Mio. DM mehr als
im voraufgegangenen Geschäftsjahr, und ist 1999/ 2000 auf über 100 Mio. DM angewachsen.
Die Stiftung ist somit ein gewichtiger Teil der Gesamtstruktur der Bertelsmann AG, welche
bis dahin zu 90 Prozent ihres gesamten Kapitals und zu 100 Prozent des stimmberechtigten
Kapitals der Familie Mohn und der Bertelsmann Stiftung gemeinsam gehört hatte. Mit dem
Rest ihres Kapitals ist die Stiftung mit der der Wochenzeitung Die Zeit verbunden; die ZEITStiftung
hält zehn Prozent nichtstimmberechtigter Aktien.
Nach einer Umstrukturierung im Juli 1999 trat an die Stelle der bis dahin führenden
Konzernfigur Reinhard Mohn eine neu gegründete Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft
mbH als sechsköpfiges Leitungs- und Lenkungsgremium für den gesamten Konzern mit Mark
Wössner als Geschäftsführer. Auf der Grundlage einer minimalen Beteiligung am
Konzernkapital soll ihr die alleinige Entscheidungskompetenz für alle den Konzern
betreffenden Grundsatzfragen vorbehalten bleiben – und dies trotz der gewaltigen
Kapitalbeteiligungen (ohne Stimmrecht) seitens der Bertelsmann Stiftung und der Familie
Mohn. Das ist in der Tat eine für heutige Kapitalentwicklungen interessante Trennung von
Kapitalmacht und Entscheidungsgewalt – fast deren Virtualisierung – an der Spitze eines
milliardenschweren Konzerns.
Dieser Konzern beschäftigt heute 76.000 Menschen in 58 Ländern der Erde und hat
inzwischen eine „Kriegskasse“ im Umfang von 30 Mrd. DM angesammelt (Financial Times
Deutschland vom 7.2.2001, 5, 17). Er war insbesondere in den letzten Jahren mit
milliardenschweren Umsätzen im In- und Ausland erfolgreich: 1996/97 mit 22,4 Milliarden
DM und 1997/98 mit 26,5 Milliarden DM. Zugleich machte er Gewinne im Umfang von
mindestens 805 Millionen DM im Jahr 1995/96, von über einer Milliarde DM im Jahr
1996/97 (vgl. Dohmen 1998, 68; Liedtke 1998, 87). Wie global die Holding agiert, zeigt sich
darin, dass ihr Gesamtumsatz zu zwei Dritteln außerhalb der Bundesrepublik anfiel. Wie ein
solcher Konzern aussieht und welche Tätigkeiten er umfasst, sei anhand der vier wichtigsten
´Linien´ skizziert:
1. Die auf Bücher bezogene Linie umfasst Buch-Clubs und 25 Verlage (Der Spiegel Nr. 30/
1999). In den Clubs sind weltweit über 25 Millionen Menschen auf allen Kontinenten
organisiert – von Nord- und Südamerika über die meisten Staaten Europas bis hin zur
Volksrepublik China. Der Verlagsbereich konzentriert sich auf den deutschsprachigen Raum,
expandiert hier bis in die neueste Zeit (Oktober 1998: Übernahme des Springer-
Wissenschaftsverlags und – vorübergehend – des Nomos-Verlags) und dehnt sich zunehmend
auch auf Spanien und die USA aus. In den USA wurde Bertelsmann 1998 durch
Vereinnahmung von Random House zum größten Buchverleger der gesamten
englischsprachigen Welt.
2. Der Entertainment-Bereich umfasst die weltweiten Tonträger- und TV/ Film-Aktivitäten
des Konzerns. Zu den Bertelsmann-Labels im Schallplattenbereich gehören z.B. so mächtige
wie RCA, Ariola, Arista sowie 200 weitere kleine Labels in über 50 Ländern der Erde. Im
TV-Bereich des Konzerns ist CLT-UFA mit 22 Fernsehsendern und 18 Radiostationen in elf
Ländern führend in Europa (Stand 1998). Inzwischen ergänzt um die britische Pearson TV
und in RTL Group umbenannt, umfasst diese TV-Holding RTL, RTL 2, Super-RTL und Vox.
An ihr ist Bertelsmann seit Februar 2001 mit 67 Prozent (bisher 37 Prozent) beteiligt
(Financial Times Deutschland vom 7.2. 2001). In Frankreich gehören zum Konzern M6, Serie
Club, Multivision, TMC und RTL 9. Ihm gehören überdies weitere Sender in Großbritannien
und allen drei Benelux-Staaten an. Mit der RTL Group ist Bertelsmann klarer Marktführer
des werbefinanzierten Fernsehens in Europa und damit, weil eben deren Profiteur,
organisatorischer Hauptträger der fortschreitenden Niveau-Senkung in diesem Bereich. Ein
gewaltiges Geschäft und ebenfalls der Niveau-Senkung dienlich ist der Handel mit
Aufführungsrechten – sie werden in über 140 Länder verkauft.
3. Der dritte Hauptbereich heißt aus historischen Gründen „Produktlinie Gruner + Jahr“ und
umfasst 75 Zeitschriften (davon 34 in Deutschland) sowie zehn Zeitungen. Der Konzern
beherrscht so bekannte Zeitschriften wie Stern, Brigitte, Frau im Spiegel, Eltern, Geo,
Capital, Art, Marie Clair, Essen & Trinken und Schöner Wohnen. Seit 1990 ist er in den
Aufkauf und die Übernahme ostdeutscher Tageszeitungen eingestiegen (z.B. Berliner
Zeitung, Chemnitzer Morgenpost, Dresdner Morgenpost, Sächsische Zeitung). Darüber
hinaus beherrscht er heute drei bedeutende Zeitungen in Ungarn und der Slowakei.
4. Im Multimedia-Bereich ist der Konzern auch nach dem Verlust von AOL weiterhin aktiv
und bemüht, seine zur Zeit beschränkten Positionen auszubauen. – Die sonstigen Aktivitäten
reichen vom Immobilienhandel im In- und Ausland bis zu Finanzverschiebungen über eine
Bertelsmann International Finance Limited NV, die auf der Antillen-Insel Curaçao ansässig
ist. Bertelsmann ist weltweit so vielfältig aufgegliedert, dass eine einheitliche,
schaubildmäßige Darstellung sich längst verbietet; die fast 600 zählbaren Einheiten muss die
Publikation Konzerne in Schaubildern (laufend ergänzt im Hoppenstedt-Verlag, Darmstadt)
auf 14 Seiten verteilen.
„Eigentum verpflichtet“
Das CHE ist vollständig von der Bertelsmann Stiftung finanziert und nur dem dahinter
stehenden Kapital verantwortlich. Es handelt sich hier zum einen um den organisatorischen
Hebel einer ökonomisch gewaltigen und medial erfahrenen Einflussgruppe, nein
Machtzentrale, zum anderen um eine Einrichtung, die den privaten Bereich, den Bereich der
freien Verfügung über Kapital, in dem sie agiert, mit öffentlichen Funktionen zu ergänzen
und aufzuladen sucht. Dabei geht es vor allem um die Zurückdrängung öffentlicher oder gar
demokratischer Kontrollen, was am konsequentesten durch eine Übertragung öffentlicher
Funktionen auf privates Kapital zu gewährleisten ist. Das Besondere und Auffällige des CHE
sind die öffentliche Akzeptanz und staatliche Förderung der Aktivitäten eines privaten
Unternehmens, ja dessen Mitinitiierung durch staatliche Hoheitsträger und engste
institutionelle Verflechtung mit staatlichen Instanzen – trotz (oder gerade wegen)
offensichtlichster Abhängigkeit von dem mächtigen Bertelsmann-Konzern und seinen
privaten Interessen. Es liegt auf der Hand, daß damit Zuständigkeitsbereiche, die öffentlicher
Kontrolle zu unterliegen haben, von einer privaten Einrichtung Schritt für Schritt besetzt
werden. Das interessegeleitete Diktat, die schiere Kontrolle durch das Kapital und seine
Funktionäre, erfasst immer weitere Bereiche der Gesellschaft, höhlt verbliebene
Entscheidungs- und Kontrollkompetenzen öffentlicher Organe vollends aus oder entwertet
diese zu bloßen Instanzen einer Legitimation, die nur noch der Lähmung von Kritik und
Widerstand dient.
Reinhard Mohn stellt die Bertelsmann Stiftung unter das Motto Eigentum verpflichtet, unter
jenes Prinzip also, das die Eigentumsgarantie in Artikel 14 Grundgesetz ergänzt und
absichert. ´Sozialpflichtigkeit´ meint im allgemeinen Verständnis die Einschränkung der
freien Verfügung über Eigentum bzw. der reinen Privatnützigkeit in der Zielsetzung des
Kapitaleinsatzes. Seitdem in Deutschland Kapital wieder in höchster Konzentration auftritt,
wird dieses Verständnis der Sozialpflichtigkeit vom Kapital selbst ausgehebelt. Längst ist die
Sozialpflichtigkeit in einem dem Kapital überaus günstigen Sinne umdefiniert, ja geradezu
pervertiert, indem die Privatnützigkeit, in totaler Konsequenz angewandt, quasi zur obersten
Pflicht des Kapitals avanciert – so in der herrschenden Lehre seit Anfang der achtziger Jahre.
Bereits in den siebziger Jahren formulierte Hermann Josef Abs (ehedem führend beteiligt an
der ´Entjudung´ deutschen Kapitals ab 1938, ausländischen Kapitals ab 1939) als
Vorstandssprecher der Deutschen Bank und seinerzeit vielleicht wichtigster Repräsentant des
deutschen Kapitals: „Eine parlamentarische Demokratie ist geradezu dadurch charakterisiert,
dass die Legitimation durch Wahlen und die Legitimation durch Privateigentum in einem
Gleichgewicht stehen.“ (Abs 1976, 92f)
Hier war bereits eine spezielle Legitimation der Kapitalbesitzer zum Eingreifen in Politik
gefordert oder behauptet worden, eine Legitimation, die gleichsam selbstverständlich aus der
Verfügung über konzentriertes Kapital erwachsen sollte. Diese Position wurde von
Staatsrechtlern konsequent ausgebaut und 1983 in eine quasi offiziöse Kommentierung zum
Grundgesetz aufgenommen, nämlich in den renommierten Grundgesetz-Kommentar von
Maunz-Dürig (unter Auswechslung des Kommentators und der bisherigen Grundlinie des
Kommentars zu Art. 14).
Hans-Jürgen Papier, der neue Kommentator, vollzog in über 600 Randnoten eine wahrhaft
gründliche Umkommentierung. Danach beinhaltet die Sozialpflichtigkeit geradezu einen
Anspruch des Kapitals auf Einmischung in die Politik, und zwar in dem Maße wachsend, wie
das Kapital konzentriert und mächtig auftritt. Das Gewicht des jeweiligen Kapitals gilt nicht
mehr als Gefahr für die Demokratie, sondern umgekehrt die Demokratie als Gefahr für die
Freiheit des agierenden Kapitals; deshalb wird es – zu seinem Schutz – regelrecht
verpflichtet, mit welchen Mitteln auch immer als Teil der gesellschaftlichen Gewalten
aufzutreten. Unsere „Eigentumsordnung“ erfordere dies „gerade auch wegen ihrer politischen
Explosivität“ (Maunz-Dürig 1983 ff. Art. 14, Rdnr. 5).
Papier hebt dabei hervor, dass die Einmischung nicht einmal das Gemeinwohl, also
übergreifende Ziele, im Auge zu haben brauche. Vielmehr beinhalte die Sozialpflichtigkeit
des Eigentums eine Einmischung „mit privatnütziger Zielsetzung“ (Rdnr. 4 und 276) bzw. mit
dem Ziel einer „privatnützigen Mitgestaltung der Sozialordnung“ (Rdnr. 12). Dafür wird
sogar ein neues Verständnis der Gewaltenteilung eingeführt: Papier spricht von einer unsere
Verfassung prägenden sozialen „Gewaltenteilungsfunktion“ des Art. 14 (Rdnr. 4), wonach
dem Kapital im Grade seiner Konzentration eine besondere Legitimation, nämlich die
Legitimation zur Teilhabe an gesellschaftlicher Gewalt zukomme, als Gegengewicht zu den
demokratischen Rechten des Volkes. Eine rein auf den Volkswillen gestützte Demokratie
lehnt er entschieden ab: Das Grundgesetz kenne gemäß Art. 14 „keine Totalität des
(demokratisch legitimierten) Hoheitsakts [...], keine potentiell absolute Herrschaft der
politischen Demokratie über Gesellschaft und Wirtschaft“ (Rdnr. 4). Papier, mittlerweile zum
Richter am Bundesverfassungsgericht und zum Vorsitzenden von dessen Erstem Senat
aufgestiegen, hat damit die verfassungsrechtliche Anpassung an den herrschenden
Neoliberalismus geleistet. Seine extreme Interpretation der Sozialpflichtigkeit des Eigentums,
welche die Demokratie einschränkt und sie subtil eines totalitären Charakters verdächtigt,
entspricht neoliberalen Vorstellungen und Interessen.
Dies blieb nicht nur theoretische Konstruktion, sondern fand seine Entsprechung in einer
praktischen Politik, für die von Regierung und Parlament die Tore bereits weit geöffnet
waren. Seit Anfang der achtziger Jahre sind die Steuern auf Kapital, insbesondere auf das
konzentrierteste Kapital, stufenweise und schließlich radikal gesenkt worden. Dies hatte für
unseren Zusammenhang zweierlei Folgen: Zum einen wuchs die Beweglichkeit des Kapitals,
wuchs die Möglichkeit, es frei einzusetzen, in hohem Maße; zum anderen verarmten die
öffentlichen Haushalte zunehmend – eine für das weitere Erstarken des Kapitals wichtige
Schwächung des öffentlichen Sektors.
An dieser Stelle muss auf den hochpolitischen und entdemokratisierenden Charakter von
Steuersenkungen zugunsten einflussreicher Konzerne hingewiesen werden. Jede Schwächung
staatlicher Finanzkraft, z.B. im Hinblick auf das Bildungswesen, reduziert die Fähigkeit der
öffentlichen Hand, solche Aufgaben zu erfüllen; es sind aber gerade die hoheitlichen
Institutionen, die noch einer gewissen öffentlichen Kontrolle unterliegen. Ökonomisch tritt
nun an deren Stelle die umso größere Fähigkeit der steuerlich begünstigten Konzerne, diese
Funktionen in eigener Regie und ohne derartige Kontrolle wahrzunehmen. Das ist zwar am
deutlichsten bei Steuerentlastungen zugunsten des konzentriertesten Kapitals, gilt aber
prinzipiell auch für alle Gesetzesregelungen, die einen speziellen Steuererlass für Stiftungen
und Sponsorentum vorsehen. Auch hier tritt nämlich – wie sehr die von Stiftungen und
Sponsoren Bedachten im Einzelnen davon profitieren mögen – an die Stelle abgebauter
Steuereinnahmen eine umso größere Fähigkeit privaten Kapitals, ohne jede demokratische
Kontrolle entsprechende gesellschaftliche Aufgaben – in seinem Sinne – zu übernehmen.
Funktionen und Ziele des CHE
Das CHE bezeichnet sich selbst gern als Denkfabrik. Man ist stolz darauf, sogar mit
Arbeitspapieren für die Weltbank befasst zu sein. Aber diese Bezeichnung ist eine
Beschönigung, denn das CHE ist ein Instrument, das anderswo längst vorentschiedene Ziele
durchsetzen soll und dementsprechend vorgegebene Interessen verfolgt. Freilich, es fabriziert
Gedanken. Sie sind aber nicht ausgerichtet an fundamentalen Alternativen, um
Lebensverhältnisse zu verbessern, sondern am Wie?, an den Möglichkeiten gesellschaftlicher
Durchsetzung von Zielen, die nicht ohne akademisches Raffinement erreichbar sind. Dem
CHE zum Vorteil gereicht hierbei die Fähigkeit zu Kampagnen mit langem Atem. Die „Arbeit
der Einprägung“ ist in der Tat eine Kärrner-Arbeit, denn „es braucht Zeit, damit Falsches zu
Wahrem wird“ (Bourdieu 1998, 49).
Tatsächlich stimmt das CHE inhaltlich in seinen wesentlichen hochschulpolitischen
Forderungen und Perspektiven überein mit denen des Bundesverbands der Deutschen
Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), mit
denen des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels sowie denen des
Deutschen Industrie- und Handelstags (DIHT), aber auch mit den Vorschlägen des
Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, mit dem das CHE teilweise unmittelbar
kooperiert. Schon lange vorbereitet sind die von ihm propagierten Ziele und Perspektiven
durch Ausarbeitungen des in Europa überaus einflussreichen European Round Table of
Industrialists (ERT) mit Sitz in Paris, in dem die mächtigsten Konzerne und Industriellen des
Kontinents vertreten sind. Sie werden insbesondere dort aktiv, wo es um ihre kontinentalen
oder um ihre globalen Expansionsinteressen geht; in den Hauptstädten Mittel- und Osteuropas
sind sie zur Zeit regelmäßig präsent (vgl. CEO 1999).
All diese Organisationen entwickeln und verbreiten entsprechende Informationsmaterialien
und Broschüren. Aber im geschickten, vorsichtigen, z.T. experimentellen Vorgehen,
überhaupt im professionellen Geschick der Durchsetzung ist das CHE selbst den genannten
Institutionen überlegen – ganz der ihm gestellten Aufgabe gemäß. Es ist seine Funktion, im
Sinne seines Auftrags methodisch und gezielt vorzugehen:
• durch erfahrene Nutzung und Bearbeitung der Medien, nicht zuletzt erleichtert durch die
oben beschriebenen Konzern-Verbindungen, zusätzlich durch die gegenseitigen
Verflechtungen mit dem Springer-Konzern, der ZEIT-Stiftung und dem Spiegel-Verlag
von Rudolf Augstein;
• durch Symposien und Kongresse, oft verbunden mit gezielten Abschlusserklärungen, z.B.
die als Ruck verstandene Leipziger Erklärung zur Hochschuleingangsprüfung von 1996
oder die vom CHE zusammen mit dem ausscheidenden Bundespräsidenten Herzog
organisierte Berliner Tagung vom 13. April 1999, für die rasch noch eine kleine CHEnahe
Studentenorganisation gegründet wurde;
• durch Förderung mit dem CHE kooperierender StudentInnen und Initiierung sowie
Aufbau eines Studentenverbandes namens scheme oder sCHEme, bestehend „aus
handverlesenen Studenten aus ganz Deutschland“ (so Die Zeit vom 11.2.1999);
• durch Projekte mit Modellcharakter (z.B. das genannte Modellvorhaben zur Erprobung
der globalen Steuerung von Hochschulhaushalten in Niedersachsen und zahlreiche andere
Kooperationen mit Hochschuleinrichtungen), desgleichen durch Modellentwicklungen
z.B. in Kooperation mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und mit
anderen wirtschaftsnahen Organisationen;
• durch Gewinnung weiterer Multiplikatoren, vorzugsweise als links geltender Personen,
z.B GewerkschafterInnen, und Organisationen, z.B. der Hans-Böckler-Stiftung (vgl.
Halimi 2001); nicht zuletzt durch die unentwegte Präsenz Detlef Müller-Bölings selbst in
Printmedien und in Sendungen einschlägiger Fernsehanstalten.
So tritt das CHE z.B. als Promotor für ´Leistungsgerechtigkeit´, d.h. für verschärfte
Konkurrenz unter Lehrenden und Lernenden auf, ferner für die Einführung von
Studiengeldern – sie sind von strategischer Bedeutung und werden, schöngefärbt,
Kostenbeteiligung genannt –, für Hochschuleingangsprüfungen, für die Einsetzung von
Hochschulräten (Beiräten, Kuratorien), bezeichnet als ´Vertretungen gesellschaftlicher
Gruppen´ (keineswegs nur mit beratender Funktion), für neue, nämlich privatisierte Formen
der Hochschulfinanzierung (mit allen Folgen auch inhaltlicher Abhängigkeit), für neue
Strukturen der inneruniversitären Mittelverteilung, für eine damit verbundene Konzentration
der Führungsfunktionen an den Universitäten auf Dekane und den Präsidenten (mit großen
Machtbefugnissen aufgrund ihrer Mittelverteilungsprivilegien) sowie für die Einführung von
Evaluationen, die auch bei der Lehre im wesentlichen nicht von den Studierenden getragen
werden sollen. All dies soll letztlich eine intensive Einflussnahme seitens privater Geldgeber
auf inhaltliche Prozesse und personelle Entscheidungen garantieren, ja, wo es nötig erscheint,
bis in Einzelheiten hinein den Durchgriff des Kapitals ermöglichen, wie es bereits 1997 in
dem heftigen Konflikt zwischen dem Vorstandsvorsitzenden des Bertelsmann-Konzerns,
Mark Wössner, und der vom Konzern abhängigen Privatuniversität Herdecke vorexerziert
worden ist (vgl. Die Welt vom 24. März 1997).
Im Interesse an der Bekämpfung und Verhinderung einer „undifferenzierten
Demokratisierung der Hochschulen“ (Müller-Böling, Süddeutsche Zeitung vom 21. Februar
1998) tritt das gewaltige Eingriffsinteresse, das mit solchen ´Reformen´ durchgesetzt werden
soll, klar hervor. Die Durchsetzung all dessen ist trotz aller noch herrschenden Lethargie an
den Hochschulen nicht leicht möglich. Da ist man schon auf Verschleierungsbegriffe wie
Autonomie, größere Handlungsspielräume, doppelte Legitimation, neue Formen der
Partizipation etc. angewiesen. Anders wären die unternehmerähnlichen Führungsfunktionen
des CHE zu offensichtlich und würden stärkeren Widerstand provozieren. Und die Formel
korporative Autonomie hört sich doch einschmeichelnder an als offene Propaganda für
Führer-Strukturen.
Abbau von Demokratie und Kritikfähigkeit
Das, was die ´Reformen´ durchsetzen sollen, geht so weit, dass es sich verbietet, sie nur als
vorübergehende Phänomene zu analysieren. Wenn die größten Konzerne, unterstützt von
weiteren Industrieverbänden, sich um diese ´Reformen´ kümmern und dies mit hohem
Aufwand und Kosten betreiben, dann sind die Interessen daran offensichtlich gewaltig. Umso
notwendiger ist es, deren Grundlagen zu untersuchen. Im Folgenden seien zwei Erklärungen
angeboten, beide bezogen auf historisch-ökonomische Entwicklungen: Zum einen geht es um
Demokratie und um Kritikfähigkeit sowie um deren Dynamik im Verhältnis zur der des
Kapitals; zum andern geht es um das immer virulentere Expansionsinteresse, genauer: um die
Expansionsnotwendigkeit des Kapitals, und zwar im internationalen Maßstab. Angesichts der
fortgeschrittenen Kombination von Geheimhaltung und Verwirrungspolitik, verbunden mit
taktischer Flexibilität, erfordern die Ermittlungen in Bezug auf einen solchen Gegenstand ein
geradezu kriminalistisches Vorgehen. In diesem Sinne sind meine Erklärungsangebote
mindestens noch ergänzungsbedürftig.
Die oben beschriebenen Aktivitäten, die die Hochschul-´Reformen´ vorantreiben sollen, sind
kein Skandal, der einer antidemokratischen Haltung nur personell zuzuordnen wäre, sondern
das logische Ergebnis eines mit jedem Konzentrationsschub notwendigerweise wachsenden
Widerspruchs: Je mächtiger und gewaltiger das konzentrierte Kapital auftritt, desto
unerträglicher werden ihm alle demokratischen bzw. sozialen Bändigungsversuche und
institutionellen Regelungen. Deren Einschränkung oder Beseitigung ist kein willkürliches,
sondern sein expansionsbedingtes, also lebensnotwendiges Ziel. Es geht hier eben nicht nur
um reine Ökonomie, um billige, kurzfristig verwertbare Arbeit in Forschung und Lehre oder
auch nur um billige und kurzfristig abgeschlossene Ausbildung (so vor allem in den neuen
Bachelor-Studiengängen); es geht darüber hinaus – und wiederum nicht nur – um eine nicht
zuletzt ideologische Ausrichtung des Studiums allein auf Marktprinzipien, auf ein
Selbstverständnis der eigenen Qualifikation, wonach diese nichts anderes mehr darstellen soll
als eine ´Investition in die eigene Person´ (deutlich insbesondere bei Studiengebühren).
Um all dies geht es zwar auch, aber letztlich stehen im Mittelpunkt längerfristige, strategische
politisch-ökonomische Perspektiven: die Durchsetzung einer Art ´Sachgerechtheit´ als
Prinzip, eine mentale Einstimmung, die sich jedes Fragen oder gar In-Frage-Stellen
hinsichtlich der Bedingungen von Vorgängen oder Maßnahmen verbietet, so dass diese
gleichsam als religiös oder naturgesetzlich akzeptiert werden. Sie sind einer demokratischen
Perspektive auf die Hochschulen und ihrer aufklärerischen Funktion, die Menschen aus ihrer
Opferrolle herauszuholen, ihnen die Bedingungen ihres Handelns verstehbar und ihr eigenes
Handeln begreifbar zu machen, diametral entgegen gesetzt. Folge soll vielmehr sein, dass z.B.
der Abbau von 50 Prozent der Studierendenzahlen als Ergebnis einer unwiderstehlichen,
durch das Marktgeschehen erzwungenen Naturgesetzlichkeit gilt. Es geht dabei um den
Versuch einer Ersetzung von Politik durch marktgesetzliche ´Sachgerechtheit´ und um den
Aufbau von Strukturen, deren Sinn es nicht zuletzt ist, jeden Widerstand als widersinnig, als
naturwidrig, letztlich als paranoid darzustellen, als Selbstschädigung der Subjekte, die ihn
leisten. Daher: Eliminierung allgemein-politischer Interessen, nachdem allgemein-politische
Äußerungen von VertreterInnen der Studierenden längst verboten sind, Eliminierung der
Befähigung zu allgemein-politischer Analyse, Eliminierung von Utopien und der an ihnen
ausgerichteten Denkformen und ihre Ersetzung durch das kalte Kalkül als Lebensperspektive.
Allgemein-politische Interessen – sowohl allgemein in der Gesellschaft als auch gerade unter
den Studierenden – stellen für die Freiheit des Kapitals eine potenzielle Einschränkung, also
eine Gefahr dar und werden so wahrgenommen. Die Frage der Studiengebühren ist politisch
hier angesiedelt: Mit ihnen sollen im Rahmen von ´Sparmaßnahmen´ zwar auch Einnahmen
zu Gunsten der öffentlichen Haushalte erzielt werden. Aber vor allem geht es um eine soziale
und eine ideologische Selektion, mit der letztlich durchgesetzt werden soll, dass nur noch
solche Mentalitäten geduldet und gefördert werden, die sich an den ´Gesetzen des Marktes´
orientieren.
All dies sind in Wissenschaft und Forschung keine völlig neuen Phänomene. Entsprechende
Mechanismen der Drittmittel-Finanzierung sind längst verbreitet und jene Abhängigkeit
damit konstituiert. Aber sie flächendeckend zu etablieren, sie zum Grundprinzip aller
Wissenschaft, Forschung und Lehre zu erheben, das ist das Ziel der aktuellen
Veränderungsprozesse. Damit soll die konsequente Einbindung aller Hochschulangehörigen
in das marktgerechte Unterdrückungssystem durchgesetzt werden. Vielleicht gibt es bereits
heute ein ideales Vorbild für die Strukturen, die letztlich angepeilt werden. Im Oktober 1998
hat die Bertelsmann AG eine hauseigene Corporate University eröffnet, in Form einer
virtuellen Universität, perfekt ausgerichtet auf die Interessen des Konzerns: Führungskräfte
aus 50 Ländern werden hier in ihre Tätigkeiten im Konzern eingewiesen und periodisch
weiterqualifiziert. Dabei soll es nicht nur um die Vermittlung substanzieller Qualifikationen
gehen, sondern zugleich und vor allem um die Schaffung eines neuen Bewusstseins, nämlich
einer Corporate Identity, die das Denken über den Dienst am Konzernkapital hinaus
ausschließt, die also hoch effektiv den Gesetzen dieses Kapitals angepasst ist. Nur – was unter
hochbezahlten Konzernfunktionären widerstandslos hingenommen werden mag, braucht
selbst an künftig umgestülpten Hochschulen nicht widerstandslos zu funktionieren.
Expansionsinteressen seit 1990
Im Jahr 1990 hob der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Dieter Würzen, am
internationalen Handel und dem ihm zugrundeliegenden Vertragswerk des General
Agreement on Tariffs and Trade folgende Problembereiche hervor: Zum einen überlasse
GATT den Regierungen noch zu weite Bereiche politischer Entscheidungen; es komme
vielmehr darauf an, „to limit the latitude of political decisions“. Würzen betonte dabei
besonders den Bereich der „protection of intellectual property“, den Schutz geistigen
Eigentums. Zum andern müsse das GATT auf landwirtschaftliche und Textilprodukte
ausgeweitet werden (Oppermann/ Molsberger 1991, 55). Er hat damit in der achten GATTVerhandlungsrunde,
der so genannten Uruguay-Runde, ein Anliegen artikuliert, das offenbar
auch die Bundesregierung teilt: die konsequente Kommerzialisierung geistiger Prozesse und
Produkte.
Das ursprüngliche GATT von 1948 hatte sich auf die klassischen Industriegüter konzentriert
und den Handel mit ihnen geregelt. Das Interesse an weiteren Liberalisierungen, d.h.
ausgedehnteren Zugriffsmöglichkeiten der stärksten Handelsnationen, war Mitte der achtziger
Jahre so weit fortgeschritten, dass mit der achten GATT-Verhandlungsrunde sowohl eine
Ausweitung der vom GATT erfassten Güter und Eigentumsrechte Hauptgegenstand der
Verhandlungen wurde als auch neue Formen und Instanzen des internationalen
Handelssystems. Erweitert wurde der Kreis der erfassten Güter zunächst um
landwirtschaftliche Güter und solche der Textilbranche, sodann aber insbesondere um den
großen Bereich des geistigen Eigentums, der intellectual property rights. Er wird in der
Schlussakte der Uruguay-Runde durch das gesonderte, 73 Artikel umfassende Abkommen
über Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights (TRIPS) erfasst (May 1994, 97-
99; Buck/ Baumann 1994, 131-156).
Dessen Art. 4 legt fest, dass die Mitglieder der Welthandelsorganisation verpflichtet sind,
„alle Vorteile, Begünstigungen, Befreiungen und Rechte, die sie im Zusammenhang mit
Rechten des geistigen Eigentums einem anderen Land oder einem Staatsbürger eines anderen
Landes zugestehen, unverzüglich und bedingungslos für alle Rechte des geistigen Eigentums
allen anderen WTO-Mitgliedsstaaten und ihren Staatsbürgern auch zu gewähren“ (Senti 1994,
42). Des weiteren gilt nach diesem Abkommen das Prinzip der Gleichstellung von Inländern
und Ausländern beim Handel mit solchen Rechten. Das klingt zunächst harmlos, denn es
beinhaltet nichts anderes, als aus den traditionellen Handelsbedingungen bezüglich
industrieller Produkte längst bekannt ist.
Tatsächlich aber geht mit dem Wechsel des Gegenstands von Industrieprodukten zu geistigen
Eigentumsrechten ein grundlegender Wandel in den gesellschaftlichen und politischen Folgen
vor sich. So ist die ökonomisch-rechtliche Regelung geistigen Eigentums in allen modernen
Staaten viel komplexer als im Falle von Industrieprodukten. In konsequenter Anwendung der
beiden Prinzipien der Meistbegünstigung und der Inländer-Ausländer-Gleichbehandlung
müssten ausländische Investoren beim Aufkauf geistigen Eigentums „auch in den Genuss
sämtlicher Förderungsmittel, Steuervergünstigungen, Investitionsanreize kommen, die die
Länder inländischen Investoren gewähren“ (Mies 1998, 122). Ergebnis der Uruguay-Runde
war außerdem die Gründung der World Trade Organisation (WTO) im Jahre 1995, die
seitdem weit mehr Kontrollrechte besitzt als alle ihre Vorgängerinnen. Neu war nunmehr vor
allem, dass die Handelsregelungen und ihre Überwachung sich nicht mehr nur auf die Grenze
selbst bezog, auf den grenzüberschreitenden Transport. Vielmehr war nunmehr ein Regime
etabliert, das sich mitten in die Staaten hinein auswirkte.
Wohin die Entwicklung gehen sollte, zeigte sich sodann bei den Verhandlungen zum
Multilateral Agreement on Investment (MAI, in Glunk 1998, 13-127). Seit 1995 wurden
Verhandlungen darüber in Paris, in den Räumen der OECD, durch Repräsentanten der 29
OECD-Mitgliedsländer geführt, in so geheimer Weise, dass erst zwei Jahre später über diese
Verhandlungen in der Öffentlichkeit Näheres bekannt wurde (Mies/ v. Werlhof 1999). Die
Beratungen zum MAI waren ein klassisches Beispiel von Verhandlungen, die vor der
Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollten. Der Inhalt des Abkommens hätte nur ein
gesetzgeberisches Schnellverfahren erlaubt, weil jede ernsthafte Kenntnisnahme seine
Verabschiedung prekär gemacht hätte. Diese scheiterte schließlich 1998 am Widerstand
Frankreichs, freilich unterstützt durch eine sich rasch entwickelnde Widerstandsbewegung in
zahlreichen Ländern. Wäre das MAI in Kraft getreten, so wäre der oben zitierte Wunsch des
deutschen Wirtschaftsstaatssekretärs Würzen „to limit the latitude of political decisions“
umfassend erfüllt worden. Der MAI-Entwurf zeigt, in welche Richtung die weitere
Entwicklung der ökonomischen Beziehungen zwischen den Staaten gehen sollen, die auf der
Ebene der WTO und vergleichbaren Institutionen verhandelt werden:
Über die beiden oben genannten Prinzipien der Meistbegünstigung und der Gleichbehandlung
hinaus ist im MAI-Entwurf vorgesehen, dass Bildungsinstitutionen, die in Deutschland ja
Ländersache sind, als Staatsmonopole gelten, die als solche auf kommerzielle Betriebsformen
umgestellt werden und künftig „ausschließlich nach kommerziellen Kriterien handeln“ sollten
(Mies/ v. Werlhof 1999, 123). Damit ist zwar noch nicht notwendigerweise Privatisierung
verlangt, aber man braucht längst auch in Deutschland unter Hinweis auf ´die Notwendigkeit
zu sparen´ nur das Budget zu kürzen, Schritt für Schritt und verbunden mit zermürbenden
Anforderungen, dann stellt sich das Interesse der Institutionen, die budgetären Lücken
privatwirtschaftlich zu schließen – mit geistigen Produkten zu handeln, soziale Prinzipien des
bisherigen Hochschulwesens über Bord zu werfen, Studiengebühren zu verlangen u.a.m. –,
wie von selbst ein.
Geht es bei dem skizzierten Prozess – von GATT über die Uruguay-Runde bis hin zur WTO
und den vorläufig abgewehrten Regelungen des MAI, nicht zu vergessen die EU-Verträge seit
Maastricht 1991 – um den Zugriff auf schrittweise neu eroberte gesellschaftliche Bereiche,
vor allem um den Zugriff auf geistiges Eigentum? In der Tat läge dann die Verfügung über
Forschung, Bildung, Studium in höchstem Kapitalinteresse. Besteht das Geheimnis der
vielgepriesenen Wissensgesellschaft gerade darin, diese gesellschaftlichen Bereiche
konsequent und lückenlos dem Kapital zu unterwerfen? Dann aber wäre es realitätsnäher,
statt von Privatisierung und Liberalisierung von Kolonisierung des Bildungswesens zu
sprechen, denn es ist ökonomische Ungleichheit, die formale Gleichheit und Freiheit so
profitabel und herrschaftsträchtig macht. Wenn dies die Grundlagen der ´Reformen´ der
Hochschule sind, dann wird deutlich, wieviel Aufwand bei deren Durchsetzung noch zu
gewärtigen ist – und auch, wie wichtig es ist, diese Grundlagen zu ermitteln und zu
analysieren.
Pierre Bourdieu hat auf die Mühe hingewiesen, die die Erfindung der schönfärberischen
Sprache und die Verdrehung von Falschem zu Wahrem bereiten. Vielleicht hat aber doch
schon der alte Hegel Recht. Von seinem Gespräch mit Goethe am 18. Oktober 1827 berichtet
Eckermann: „Sodann wendete sich das Gespräch auf das Wesen der Dialektik. 'Es ist im
Grunde nichts weiter', sagte Hegel, 'als der geregelte, methodisch ausgebildete
Widerspruchsgeist, der jedem Menschen innewohnt, und welche Gabe sich groß erweiset in
Unterscheidung des Wahren vom Falschen.' 'Wenn nur', fiel Goethe ein, 'solche geistigen
Künste und Gewandtheiten nicht 'häufig gemißbraucht und dazu verwendet würden, um das
Falsche wahr und das Wahre falsch zu machen!' 'Dergleichen geschieht wohl', erwiderte
Hegel, 'aber nur von Leuten, die geistig krank sind.'“ (zit.n. Gutenberg 2001)
Literatur
Abs, H.-J.: Lebensfragen der Wirtschaft. Düsseldorf/ Wien 1976.
Becker, I./ R. Hauser: Einkommensverteilung und Armut. Frankfurt am Main 1997.
Bourdieu, P.: Gegenfeuer. Wortmeldungen im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion.
Konstanz 1998.
Buck, P./ J. M. Baumann: Schutz geistigen Eigentums in der Uruguay-Runde des GATT. In: Engels 1994, 131-
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Butterwegge, Chr./ G. Hentges (Hrsg.): Alte und Neue Rechte an den Hochschulen. Münster 1999.
CAP, Centrum für Angewandte Politikforschung: Homepage, http://www.cap.unimuenchen.
de/bertelsmann/english/soe.html (im Juni 2001).
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Dohmen, F.: Medien und Macht. Hamburg 1998.
Engels, B. (Hrsg.): Weiterentwicklung des GATT durch die Uruguay-Runde. Hamburg 1994.
Glunk, F.R. (Hrsg.): Das MAI und die Herrschaft der Konzerne. Die Veränderung der Welt durch das
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Gutenberg, http://www.gutenberg.aol.de/eckerman/gesprche/gsp3068.htm (im Juni 2001).
Halimi, S.: Die Globalisierer vereinnahmen ihre Gegner. Vom Protest zur Lobby. Le Monde diplomatique
(deutsche Ausgabe), April 2001, 3.
Huster, E.-U.: Armut in Europa. Opladen 1996.
Huster, E.-U.: Reichtum in Deutschland. Zweite Auflage Frankfurt am Main 1997.
Liedtke, R.: Wem gehört die Republik? Die Konzerne und ihre Verflechtungen. Frankfurt am Main 2000.
Maunz, Th./ G. Dürig u.a.: Grundgesetz. Kommentar (Loseblattsammlung). München (seit 1958).
May, B.: Die Uruguay-Runde (Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Ausw. Politik). Bonn 1994.
Mies, M./ C. von Werlhof (Hrsg.): Lizenz zum Plündern. Das Multilaterale Abkommen über Investitionen
”MAI”. Zweite Auflage Hamburg 1999.
Oppermann, Th./ J. Molsberger (eds.): A New GATT for the Nineties and Europe '92. Baden-Baden, 1991.
Ronge, V.: Der Geist des neuen Hochschulgesetzes. Deregulierung und Ökonomisierung (Stellungnahme des
Rektors der GHS/ Universität Wuppertal zur Novelle eines nordrhein-westfälischen Hochschulgesetzes). In:
Forum Wissenschaft (2000) 1, 23-25.
Schöller, O.: „Geistige Orientierung“ der Bertelsmann-Stiftung. Beiträge einer deutschen Denkfabrik zur
gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit. In: PROKLA 122 (2001) 1, 123-143.
Schui, H./ E. Spoo (Hrsg.): Geld ist genug da. Reichtum in Deutschland. Heilbronn 1996.
Senti, R.: GATT – WTO. Die neue Welthandelsordnung nach der Uruguay-Runde. Zürich 1994.
Troebst, St.: Conflict in Kosovo: Failure of Prevention? An Analytical Documentation 1992-1998. European
Centre for Minority Issues (ECMI) (Hrsg.). Flensburg 1998.

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Freitag, 26. Juni 2009

Der € wir durch den SDRS (Sondererziehungsrechte) abgelöst

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Sonntag, 17. Mai 2009

Wer schützt uns vor der IAEO?

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Wer schützt uns vor der IAEO?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO übt sich in vornehmer Zurückhaltung, wenn es um Strahlenrisiken
geht. Das hat seinen Grund: Die WHO liess sich von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO)
einen Maulkorb verpassen.
Prof. Dr. med. Michel Fernex, Postfach 167,CH-4118 Rodersdorf
Die Verfassung der UN-Weltgesundheitsorganisation WHO1 definiert 22 Pflichten, damit die Institution ihre
medizinischen Ziele überhaupt erreichen kann. Unter anderem heisst es in der WHO-Verfassung:
• «Umfassende Aufklärung, Ratschläge und Unterstützung im Bereich der Gesundheit.»
• «Förderung einer klaren Meinungsbildung in der Bevölkerung betreffend der Gesundheitsprobleme,
basierend auf einer aufgeklärten Öffentlichkeit.»
Im Rahmen dieser Richtlinien fand im August 1956 eine Konferenz statt, an der 20 namhafte Genetiker
ihre Befunde darlegten, um vor den Konsequenzen der sogenannt friedlichen Nutzung der Atomenergie zu
warnen. Schon damals war bekannt, dass ionisierende Strahlung bei vielen Lebewesen – von Bakterien
bis zu den Säugetieren – Mutationen hervorruft.2 In ihrer gemeinsamen Stellungnahme schrieben die
Genetiker: «Das Erbgut ist das wertvollste Eigentum der Menschen. Es bestimmt das Leben ihrer
Nachkommenschaft, die gesunde und harmonische Entwicklung der künftigen Generationen. Wir als
Gruppe behaupten, dass die Gesundheit der künftigen Generationen durch die zunehmende Entwicklung
der Atomindustrie und Strahlungsquellen gefährdert ist. (…) Wir sind auch der Meinung, dass neue
Mutationen, die bei Menschen auftreten, für sie selbst wie für ihre Nachkommen schädlich sein werden.»2
Der Genetiker und Nobelpreisträger Prof. H. J. Müller erwähnte an dieser Konferenz Experimente mit sehr
kleinen Strahlendosen, die bezüglich der Dosiswirkungsrelation zu überraschenden Ergebnissen geführt
hatten. Seither sind zahlreiche Arbeiten über die schädlichen Effekte niedriger Strahlendosen publiziert
worden, die mit Experimenten zeigten, dass sehr kleine Dosen überproportionale
Schädigungen auslösen.3,4 ,5
Die Publikation zu dieser WHO-Tagung sowie die Stellungnahmen des ersten Weltkongresses für
Genetik, der im selben Jahr in Dänemark stattfand, sorgten bei der Internationalen
Atomenergieorganisation (IAEO) für Unruhe. Die IAEO war offiziell gegründet worden, um weltweit die
Sicherheit im Nuklearbereich zu überwachen und zu kontrollieren, sie setzt sich jedoch auch explizit für
die Förderung der kommerziellen Atomindustrie ein. In ihren Statuten – die 1996 in Wien wieder zitiert
wurden – heisst es: Das Hauptziel der IAEO ist «die Beschleunigung und die Förderung der Atomindustrie
für den Frieden, für die Gesundheit und für das Wohlbefinden in der ganzen Welt».6 Fast nebenbei wird in
diesem Text betont, dass die IAEO auch für Gesundheitsfragen im Bereich der Atomindustrie zuständig
sei.
Nach 1958 zwang nämlich die IAEO die WHO durch Verhandlungen zum Schweigen, 1959 wurde diese
Vereinbarung in einem Abkommen zwischen den beiden UN-Organisationen fest geregelt. Seither werden
die gesundheitlichen Risiken, die die kommerzielle Nutzung der Atomenergie allenfaslls mit sich bringt,
vom Nuklearpromotor selbst «überwacht» beziehungsweise «erforscht» – und nicht mehr von
unabhängigen medizinischen Behörden. Das Abkommen verfügt implizit, dass Forschungsprojekte –
deren Resultate potentiell die Förderung der Atomindustrie behindern könnten – entweder gar nicht oder
nur noch von der IAEO gemeinsam mit der WHO durchgeführt werden. Die IAEO fürchtet zurecht, dass
sich ein aufgeklärtes Publikum der Atomenergie entgegenstellen könnte, und legt deshalb im erwähnten
Abkommen fest: «Die IAEO und die WHO sind sich bewusst, dass es notwendig sein könnte, restriktive
Massnahmen zu treffen, um den vertraulichen Charakter gewisser ausgetauschter Informationen zu
wahren (…).» Dabei geht es vor allem darum, dass als vertraulich deklarierte Daten, die zwischen den
beiden Organisationen ausgetauscht werden, auch wirklich geheim bleiben.7
Diese Verpflichtung zur Vertraulichkeit verstösst jedoch gegen die Statuten der WHO, die eine aufgeklärte
Öffentlichkeit verlangen. Es bedeutet letztlich auch nichts anderes, als dass gemäss diesem IAEO-WHOAbkommen
die Weltbevölkerung betreffend Nuklearrisiken offensichtlich vor der Wahrheit geschützt
werden muss. Für die programmierten bevorstehenden Atomindustrieunfälle verheisst das: Die
Bevölkerung wird noch schlechter informiert und noch schlechter geschützt als es schon bei Tschernobyl
der Fall war – weil es primär darum geht, die AKW-Betreiber vor Schadenersatzforderungen zu schützen.8
Parallelen zur Contergan-Affäre
Nach der Einführung von Thalidomid – ein Schlafmittel und Tranquilizer (bekannt unter dem
Produktenamen «Contergan») – trat Anfang der sechziger Jahre eine Epidemie von Missbildungen bei
Neugeborenen auf. Ihre Mütter hatten während der Schwangerschaft Thalidomid eingenommen.
Thalidomid wirkt bei Insekten, Vögeln und Säugetieren teratogen (aber nicht mutagen), das heisst, es
verursacht bei Embryonen in bestimmten Entwicklungsphasen Missbildungen. Die Thalidomid-
Embryopathie, die am häufigsten gekennzeichnet ist durch fehlende Glieder (Amelie oder Phocomelie),
war allgemein bekannt. Medizinische Experten behaupteten jedoch in Publikationen9 wie vor Gericht, es
sei in keinem der zirka 5 000 Fälle ein kausaler Zusammenhang zwischen der Thalidomid-Einnahme und
der Missbildung beweisbar. Ihr Hauptargument: «Es existiert kein Missbildungsregister, das es
ermöglichen würde, statistisch zu beweisen, dass das Thalidomid die verursachende Substanz ist.»
Trotz des Freispruchs der Firma durch die Richter hat die Food and Drug Administration (FDA) in den USA
(wo Contergan allerdings gar nie zugelassen war) danach sehr strenge Regelungen eingeführt, die
weltweit übernommen worden sind: Substanzen müssen vor der klinischen Prüfung auf Teratogenizität,
Karzinogenizität und besonders auf Mutagenizität getestet werden. Neue Medikamente, aber auch
Insektizide, die im Bakterienmodell oder Zellkulturtest mutagene Eigenschaften aufweisen, werden
eliminiert.
Würden dieselben Regeln, die für die chemische Industrie gelten, auch auf die Atomindustrie angewendet,
liesse dies nur einen Schluss zu: Alle Atomanlagen müssten sofort stillgelegt werden – da alle Stadien von
der Uranextraktion, über die Energieproduktion, bis hin zur Atommülldeponie mit der Freisetzung von
mutagenen Radioisotopen verbunden sind.
Frisierte Studien
Die Atomlobby hindert jedoch WissenschaftlerInnen, auf diesem Gebiet zu forschen und zu publizieren,
sofern ihre Ergebnisse nicht «günstig» ausfallen. J.-F. Viel10, Professor für Epidemiologie, beschreibt, wie
man jedoch auf Wunsch «günstige» Forschungsresultate produzieren kann11: Es gibt Methoden, die es
erlauben, willkürlich negative Ergebnisse zu erzielen, indem man methodologische Fehler in die
Forschungsprotokolle einbaut. Indem man sich beispielsweise – wenn man die Krebshäufigkeit studieren
möchte – nur auf die Mortalität (Anzahl Todesfälle) abstützt und nicht die Morbidität (Anzahl
Erkrankungen) in einem Beobachtungszeitraum von beispielsweise zehn Jahren untersucht (siehe
«Statistische Mogeleien»). Betrachtet man nur die Mortalität, erhält man Daten, die keinen statistischsignifikanten
Unterschied zwischen Strahlenexponierten und Nichtexponierten nachweisen lassen – mit
der Morbidität könnte es jedoch ganz anders aussehen.
Mit «methodologisch frisierten» Studien können die Atombefürworter dann behaupten, es sei nichts
Beunruhigendes, zum Beispiel keine erhöhte Leukämierate, gefunden worden. Und die AKW-Promotoren
benutzen sie, um weitere Atomkraftwerke zu propagieren.
Studien bedürfen stets grosser finanzieller Unterstützung. Deshalb meiden die WissenschaftlerInnen das
heikle Gebiet «Strahlenrisiko», um sich keinen beruflichen Schwierigkeiten auszusetzen. Die Internationale
Atomenergieorganisation (IAEO) hat dafür gesorgt, dass dies so läuft und dass es auch in Zukunft so
laufen wird. Sie weiss sich von den nationalen Instanzen und Nuklearlobbies unterstützt. In Frankreich
übte beispielsweise der frühere Direktor der französischen Electricité de France, M. Boiteux, der die ganze
AKW-Entwicklung leitete, einen starken Einfluss auf die nationalen Gremien (C.N.R.S.) aus, die die
Forschungsstipendien verteilen.
Hartnäckige WissenschaftlerInnen
Einigen wenigen, hartnäckigen, unabhängigen ForscherInnen ist es zu verdanken, dass inzwischen
trotzdem statistisch gesicherte Daten über die Zunahme von Krebs und Leukämie im Umkreis von
Atomanlagen vorliegen.
Auch über die medizinischen Folgen von Tschernobyl existieren – dank der beharrlichen Arbeit vor allem
weissrussischer WissenschaftlerInnen – inzwischen mehrere Untersuchungen, deren Ergebnisse
erschrecken. Die Krebsrate wie die genetischen Mutationen (vgl. nachfolgenden Text «Tschernobyl wütet
im Erbgut») sind bereits statistisch signifikant angestiegen. Die IAEO und die WHO akzeptieren jedoch nur
die Häufung von Schilddrüsenkrebs als Folge von Tschernobyl.
In Weissrussland beobachtet man aber noch ganz andere Schädigungen, über die kaum berichtet wird:
Zum Beispiel haben die Autoimmunkrankheiten, wie durch Insulinmangel bedingte Zuckerkrankheit
(besonders bei Kindern) und andere endokrine Störungen massiv zugenommen. Man stellt zudem
Krankheitssyndrome wie neuropsychiatrische Krankheiten und Kardiomyopathien bei Jugendlichen fest.
Diese Syndrome sind darauf zurückzuführen, dass in den Hirnzellen oder im Myokard das Kalium durch
Cäsium-137 ersetzt wird, was zu Zellmembran-Dysfunktionen führt.12
Die WHO hält sich aber trotz all diesen aufrüttelnden Erkenntnissen an das von der IAEO verordnete
Schweigen. Über genetische Schäden nach Tschernobyl darf nicht die Rede sein.
1 Documents Fondamentaux, 40e édition, OMS, Genève 1994
2 Effets génétiques des radiations chez l’homme. pp. 184, OMS Palais des Nations Genève, 1957
3 Petkau A.: Radiation effects with a model Lipid Membrane. Canadian J. of Chemistry, Vol. 49, p. 1187-1196,
1971
4 Burlakowa E.B.: Kleine Strah-lungsdosen, Wirkungsgesetzmäs-sigkeit und Risiko. Die wichtigsten
wissenschaftlichen Referate, International Congress «The World after Chernobyl», Minsk, 1996, p105-
108/Low intensity radiation: radiological aspects. Radiation protection Dosimetry, Vol 62, No 1/2 p. 13-18,
1995; Nuclear Technology Publishing, 1995
5 Stewart A.M. : Low Dose Radiation: The Hanford Evidence, Lancet, No 8072, p. 1048-1849, 1978
6 One Decade After Chernobyl. Summing up the Consequences of the Accident, Building of the IAEA,
Proceedings of an International Conference, Vienna,
pp 555, 8.-12. April 1996
7 Die zitierten Paragraphen des Abkommens findet man in den «Documents de Base», vgl. Fussnote 1
8 Permanentes Völkertribunal. Tschernobyl. Auswirkung auf Umwelt, Gesundheit und Menschenrechte, Wien,
Österreich, 12-15. April 1996. Buch erhältlich bei der Bundesarbeits-gemeinschaft «Den Kindern von
Tschernobyl in Deutschland e.V.», ESG-Haus, Breul 43, 48143-Münster; Fax.: +49- 2501-27417.
9 Hartlmaier K.M.: Es geht nicht nur um Contergan. Am 1. Mai beginnt der grosse Prozess – Er betrifft
grundsätzliche Fragen. Zahnärztliche Mitteilungen, Nr. 9, p 427-429, 1968
10 Viel publizierte 1997 eine aufsehenerregende Studie über Leukämie in der Umgebung von La Hague;
Viel J.F., Pobel D. (1997): Case control study of leukaemia among young people near La Hague nuclear
reprocessing plant: the environmental hypothesis revisited, in British Medical Journal, 314, p. 101–106
11 Viel J.F., Conséquences des essais nucléaires sur la santé: quelles enquêtes épidémiologiques?
Médecine et guerre Nucléaire, Vol. 11, p 41-44, janv.-mars 1996/Monographie à paraître à «La Découverte»
en février 1998
12 Bandazhevsky Y.I. & Lelevich V.V.: Clinical and experimental aspects of the effect of incorporated
radionucleides upon the organism. Monography, Gomel State Medical Institute, p. 128, 1995

Tschernobyl wütet im Erbgut
Zwölf Jahre nach Tschernobyl weiss man: Niedrige Strahlendosen wirken auf das Erbgut weit
verheerender, als die offiziellen Behörden glauben machen.
Prof. Dr. med. Michel Fernex
Seit Anfang der achtziger Jahre werden in Weissrussland zehn verschiedene Missbildungen bei
Neugeborenen systematisch und obligatorisch auf nationaler Ebene registriert. Prof. Lazjuk publizierte
1994 und 19951,2 Daten, die eine statistisch signifikante Zunahme der Missbildungsrate bei Neugeborenen
der Nach-Tschernobyl-Generation belegt. Lazjuk untersuchte ein Gebiet, das durch den GAU mit Cäsium-
137 verseucht wurde, und verglich die Daten von 1988 bis 1992 mit Daten vor dem GAU (1982 bis 1987).
Die Zunahme der Missbildungsrate hing proportional mit der Cäsium-137-Kontamination des Bodens
zusammen: Anstieg der Missbildungen um 39% bei einer Verseuchung von weniger als 1 Curie pro
Quadratkilometer (Ci/km2), ein Anstieg um 44% bei 1-15 Ci/km2 und eine Zunahme um 79% in Gebieten
mit mehr als 15 Ci/km2.
Kaum eine weissrussische Region blieb vom Tschernobyl-Fallout verschont, ferner spielt die inkorporierte
chronische Radionuklidbelastung der EinwohnerInnen eine immer bedeutsamere Rolle: Wasser sowie
viele Nahrungsmittel, die dort konsumiert werden, sind mit Strontium-90, Cäsium-137 und zahlreichen
anderen Radionukliden verseucht.
Die Missbildungen, die statistisch signifikant häufiger auftreten, sind Anencephalie, Spina bifida,
Polydactylie, Gliedermissbildung bzw. fehlende Glieder sowie multiple Missbildungen. Es handelt sich
vorwiegend um teratologische Strahlungsschäden, während Polydactylie häufiger auf eine dominante
Mutation zurückzuführen ist. Auch multiple Missbildungen beruhen zum Teil auf solchen Mutationen.
In der ersten Generation kommen die dominanten Mutationen zum Ausdruck, wobei die meisten im frühen
Embryonalstadium letal verlaufen und somit nicht erfasst werden. Die viel häufigeren rezessiven
Mutationen wirken sich vorwiegend in den folgenden Generationen aus, weshalb sie nach dem GAU noch
nicht beim Menschen, sondern erst bei Säugetieren, Vögeln, Fischen und Insekten festgestellt werden
können, da diese eine viel kürzere Generationenabfolge aufweisen.
Sinkende Geburtsraten
In einer Fischzucht 200 Kilometer von Tschernobyl entfernt entstehen nur noch aus 30% der befruchteten
Karpfeneier lebensfähige Larven – der grosse Rest stirbt ab.3 Beim Menschen können letale Mutationen
nur indirekt vermutet werden, zum Beispiel indem man den Rückgang der Natalität (Geburtsrate) mit einer
Abnahme der Fertilität (Fruchtbarkeit) in Verbindung setzt. Generell ist in Weissrussland die Geburtsrate
gesunken. In Gebieten mit einer Verseuchung von weniger als 1 Curie Cäsium-137/km2 liegt das Defizit
bei -10%, was sich durch die ungünstigen sozioökonomischen Verhältnisse im Lande erklären lässt. Mit
einer höheren Belastung der Umwelt durch Cäsium sind die Geburtsraten ca. um -20% gesunken und in
Gebieten mit mehr als 15 Ci/km2 um ca. minus ein Drittel – immer verglichen mit der Zeit vor Tschernobyl.
Die Missbildungsraten sind nach 1994 im ganzen Land weiter angestiegen. Bei Neugeborenen in
hochkontaminierten Gebieten ist fast eine Verdoppelung der Missbildungsrate aufgetreten.
Offensichtliche Fehlinformation
Professor Lazjuk schreibt: «Eines der ungelösten Probleme infolge der Tschernobyl-Katastrophe in
Belarus ist der Anstieg der Geburtenrate von Kindern mit angeborenen Entwicklungsfehlern, die die
zahlenmässig stärkste Gruppe bei menschlichen Erbkrankheiten darstellt. Dieses Problem beunruhigt die
Bevölkerung der Republik zutiefst und hat schwerwiegende Gründe. Die aus dem Reaktor ausgetretenen
Radionuklide (Cs-137 und Sr-90) tragen zur Schädigung der Erbanlagen bei (mutagener Effekt) und
stören die normale Organbildung (teratogener Effekt).»4
Internationale Behörden nehmen dieses Probleme nicht zur Kenntnis. Am internationalen Tschernobyl-
Kongress der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) 1996 in Wien kamen Genetiker aus Belarus
wie Professor Lazjuk nicht zu Wort. Die offizielle Sprecherin sagte, es sei nichts bekannt über eine
mögliche Zunahme von Missbildungen. Lächelnd erwähnte sie «anekdotische» Geschichten von
Schweinen mit zwei Köpfen. Sie behauptete, es existiere kein Register, das beweisen würde, dass die
Missbildungsraten nach Tschernobyl angestiegen sei. In der Thalidomidaffäre («Contergan», vgl.
vorangehender Beitrag «Wer schützt uns vor der IAEO?») wurde dasselbe Argument erfolgreich benutzt.5
Doch damals stimmte die Aussage, es gab kein Register. Im Zusammenhang mit Tschernobyl verfängt
dieses Argument aber nicht mehr, weil eben Weissrussland über ein ausgezeichnetes Register verfügt.
Diese offensichtliche Fehlinformation im Hauptreferat wurde an der IAEO-Konferenz nicht diskutiert, da
Vorträge über Krebs folgten und die anschliessende Diskussion der Dosimetrie gewidmet werden musste.
Seit Tschernobyl werden bei der Zellteilung im Kern grobe Anomalien sowie Chromosomenanomalien in
Blutzellen festgestellt.6 Diese Veränderungen treten vor allem bei Menschen auf, die in den radioaktiv
kontaminierten Gegenden arbeiteten. Aufgrund dieser Anomalien im Zellkern kann man retrospektiv
abschätzen, welcher Strahlendosis ein Mensch ausgesetzt war.7
Mutationen beim Kind beruhen meistens auf diskreten Anomalien im Bereich der DNA. Diese führen, wenn
sie im Bereich kodierender Abschnitte der DNA stattfinden, zur Substitution von Aminosäuren in
Eiweissmolekülen, bzw. Enzymen, und werden von Generation zu Generation übertragen. Dubrova und
Mitarbeiter8 haben das Blut von 79 Familien, die 250 Kilometer von Tschernobyl entfernt in
kontaminiertem Gebiet lebten, untersucht; sie nahmen dafür von Mutter, Vater und Kind Blutproben. Es
wurden dann die Minisatellit-DNA-Abschnitte der Eltern mit denjenigen der Kinder verglichen.
Die Frequenz der Mutationen in der Kontrollgruppe – die auf nicht-verseuchtem Gebiet lebte – entsprach
den bisherigen Befunden anderswo in der Welt, während in den 79 untersuchten Familien die
Mutationsrate doppelt so hoch war als in den Kontrollfamilien. Dieser Unterschied ist statistisch signifikant.
In der Zeitschrift «Nature» kommentiert Hillis9 von der Universität Texas diese Arbeit sowie jene von Baker
und Mitarbeitern10 in einem Editorial, das mit folgender Aussage endet: «We now know that the mutational
effects of nuclear accidents can be much greater than suspected, and that evolutionary rates in at least
parts of eukariotic genomes can be raised well beyond levels previously considered possible.»
Mutationsraten wie bei Viren
Goncharova und Ryabokon11 haben zwischen 1986 und 1991 Feldmäuse in besiedelten, aber radioaktiv
verseuchten Gebieten Weissrusslands untersucht. In dieser Beobachtungsperiode sind 12 bis 18
Generationen von Feldmäusen zur Welt gekommen, während die Radioaktivität progressiv abnahm. Die
Forscherinnen stellten chromosomale Anomalien und Polyploidie in den Knochenmarkzellen der Nager
fest. Obwohl die Gesamtbestrahlung progressiv abnahm, haben die Chromosomenanomalien sowie die
Polyploidie der Knochenmarkzellen jährlich zugenommen, was gegen eine Anpassung an die
ionisierenden Strahlen spricht.
In zwei Feldmäusespezies, die in der Nähe von Tschernobyl leben, studierten Baker und Mitarbeiter12 die
Sequenz der DNA-Basen eines Genes, das die Synthese von Cytochrom b codiert. Dieses Gen wird allein
vom Muttertier auf den Embryo übertragen. Im Vergleich mit nichtbestrahlten Tieren, haben Baker und
Mitarbeiter bei den Föten eine ca. hundertfache Zunahme von ererbten Substitutionen im entsprechenden
Gen gefunden. So hohe Mutationsraten waren in der Zoologie bislang nicht bekannt; diese rasanten,
ständigen Mutationen könnte man höchstens bei gewissen Viren antreffen.
Schwächung der Vitalität
Einen eigentlichen Populationssturz hat ein schwedisches Team bei Rauchschwalben (Hirundo rustica)
beobachtet, die in der Gegend um den geborstenen Reaktor leben. Die Schweden studierten bei
strahlenexponierten Schwalben (wie Dubrova und Mitarbeiter bei Kindern in Mogilev), die Sequenz der
Basen in der DNA der Minisatelliten. Gleichzeitig untersuchte man Schwalben in nicht-kontaminierten
Gebieten in der Ukraine und in Italien. Die Autoren fanden dabei eine hoch signifikante Erhöhung der
Mutationsrate im Vergleich zu den nicht bestrahlten Schwalben. Ellegren und Mitarbeiter (1997) studierten
ferner die Überlebenschance der Schwalben mit Teilalbinismus – eine rezessive Anomalie der
Pigmentierung, die in der Umgebung von Tschernobyl häufig auftrat. Diese Schwalben, die an Kopf,
Rücken und Hals einige weisse Federn aufwiesen, waren unfähig, bis zur nächsten Brutzeit zu überleben
und konnten somit keinen Nachwuchs produzieren. Der Rauchschwalben-Bestand sinkt in der Umgebung
von Tschernobyl signifikant.13
Ähnliches fand man bei Karpfen in Weissrussland. Die industrielle Karpfenzucht spielt dort eine wichtige
ökonomische Rolle; die Zucht wird von VeterinärmedizinerInnen und BiologInnen systematisch überwacht.
Bei Karpfen, deren Weibchen bis zu einer Million Eier legen, wird zwar die Population zahlenmässig nicht
sichtbar schrumpfen, auch wenn 70% der Eier letale Anomalien aufweisen – wie es in der Zucht, die
Goncharova und Slukvin14 untersuchten, der Fall war. Diese Zucht liegt in einem mässig kontaminierten
Gebiet Weissrusslands (1-5 Curie Cäsium-137/km2). Die Wasserverhältnisse in der Zucht sind optimal
und der Boden wie der Schlamm im Weiher weisen nur sehr geringe Schwermetall- und
Pestizidkonzentrationen auf.
Goncharova und Slukvin untersuchten Chromosomenanomalien während der Entwicklung der Eier und bei
den Jungkarpfen; bei den jungen Fischen verfolgten sie zusätzlich noch die Missbildungen. Insgesamt
wurden 28 Typen von Missbildungen notiert, hinzu kamen 15 Mehrfachmissbildungen. Diese Anomalien
wurden im Sommer bei den Jungfischen und nochmals im Herbst notiert. Dabei stellten sie fest: Der
Prozentsatz der Missbildungen nimmt signifikant zu, wenn die Radioaktivität im Schlamm grösser ist.
Schwache Gamma-Strahlung aus dem Schlamm hat einen negativen Einfluss auf die morphologische
Entwicklung der Larven und der jungen Fische. Die AutorInnen haben erst 400 Kilometer von Tschernobyl
entfernt eine Zucht gefunden, wo die Mutationsrate noch gleich tief war wie vor der Katastrophe.
Missbildungen bei Insekten
Dass niedrige Strahlendosen Schäden verursachen, lässt sich jedoch nicht nur in den verseuchten
Gebieten von Tschernobyl feststellen: Cornelia Hesse15 zeigt, dass bei verschiedenen Insektenarten – vor
allem Blattwanzen –, die in der Umgebung von Nuklearanlagen leben, vermehrt feine Hautmissbildungen
sowie grobe Flügel- oder Körpermissbildungen auftreten. Eine Studie mit randomisierter Sammlung der
Insekten (man legt ein imaginäres Netz mit Quadraten von 1 km mal 1 km über das Untersuchungsgebiet,
in den jeweiligen Eckpunkten sammelt man die Insekten ein) ergab, dass die höchste Missbildungsrate
(18%) in der Nähe unserer normal funktionierenden AKW auftrat.
Viele Arbeitsgruppen interessieren sich zunehmend für die übertragbare Schwächung des Genoms durch
extrem kleine Strahlendosen. Morgan und Mitarbeiter16 haben 1996 das Problem der Genominstabilität
zusammengefasst: Sie vermuten anhand von schwachbestrahlten Zellen den Zusammenhang von
Krebsentwicklung mit diesen zeitlich verschobenen Mutationen, DNA-Schäden, Genverlusten und
Chromosomenaberrationen. Bei Zellteilungen werden zuerst keine DNA-Schäden festgestellt, doch die
Instabilität des Genoms führt nach mehreren Zellteilungen zu Chromosomen- oder DNA-Schäden. Es
könnte sich um eine Schwächung der Reparaturenzyme handeln, doch auch andere Mechanismen
werden für diese Instabilitäten verantwortlich gemacht. Diese Befunde müsste MedizinerInnen
veranlassen, mit den Risiken sehr niedriger Strahlendosen wesentlich vorsichtiger umzugehen.17
1 G.I. Lazjuk et al. in the Chernobyl papers, Vol. I, Doses to the Soviet population and early health effects studies, Ed. Mervin,
S.E. & Balanov, M.I., p 385-397. Research Entreprises, Cichland, W.A. 1993, zitiert von Ellegren H. et al 1997/Personal
Communication 1996
2 G.I. Lazjuk, I.A. Kirilova, D.L. Nikolaev, I.V. Novikova, Z.N. Fomina & R.D. Khmel: Radiation Protection Dosimetry Vol 62. No
1/2,pp 71-74 1995
3 A.M. Slukvin: Thesis im Druck. Institut für Genetik und Cytologie, Belarus Akademie der Wissenschaft, Minsk, 1997/Goncharova
und Slukvin, pers. communication 1997
4 G.I. Lazjuk, D.L. Nikolajev & U.W. Nowikowa: Dynamik der angeborenen und vererbten Pathologien in Folge der Katastrophe
von Tschernobyl, in: International Congress „The World after Chernobyl“, p. 123-131, Minsk 1996
5 vgl. Fussnote 8
6 vgl. Fussnote 12 und 14
7 J. Weber, W. Scheid, H. Traut: Biologische Dosimetrie zum Nachweis erhöhter Umweltstrahlenbelastung – Besonderheiten der
Alpha-Strahlung. Gesundheitliche Risiken und Folgen des Uranbergbaues in Thüringen und Sachsen. E. Lengfelder, S.
Pflugbeil, W. Köhlein (Hrsg.): Gesellschaft für Strahlenschutz e.V., 2. Jahrestagung, ISBN 3-8208-1259-8
7a. G. Mindek, C. Michel: Biological Dosimetry Investigations on 25 Persons from Luginy (formerly USSR). PSI Newsletter, Annual
Report 1991, Annex II (1991) pp. 93-94.
8 Y.E. Dubrova, V.N. Nesterov, N.G. Krouchinsky, V.A. Ostapenko, R. Neumann, D.L. Neil & A.J. Jeffreys: Human minisatellite
mutation rate after the Chernobyl accident, NATURE : Vol 380, p. 683-686, 25 April 1996
9 D.M. Hillis: Life in the hot zone around Chernobyl. NATURE Vol. 380 , p. 665-666, 25 April 1996
10 R.J. Baker, R.A. Van den Bussche, A.J. Wright, L.E. Wiggins, M.J. Hamilton, E.P. Reat, M.H. Smith, M.D. Lomakin & R.K.
Chesser: High levels of genetic change in Rodents of Chernobyl. Nature, Vpl 380, p. 707-708, 25. April 1996
11 R.I. Goncharova & N.I. Ryabakon: The levels of cytogenetic injuries in consecutive generations of bank voles inhabiting radiocontaminated
areas. Proceedings of the Belarus-Japan Symposium in Minsk. Acute and late Consequences of Nuclear
catastrophes: Hiroshima-Nagasaki and Chernobyl, p 312-321, Oct 3-5, 1994
12 vgl. FN 19
13 H. Ellegren, G. Lindgren, C.R. Primmer & Møller: Fitness loss and germline mutations in barn swallows breeding in Chernobyl.
NATURE, Vol 389 ; p 593-596, 9 October 1997
14 R.I. Goncharova & A.M. Slukvin: Study on Mutation and modification variability in young fishes of Cyprinus carpio from regions
contaminated by the Chernobyl radioactive fallout. 27-28 October 1994, Russia-Norvegian Statellite Symposium on Nuclear
Accidents, Radioecology and Health, Abstract Part 1, Moscow, 1994; siehe auch Fussnote 13
15 Cornelia Hesse: Pers. Communication; ihr neues Buch erscheint 1998
16 W.F. Morgan, J.P. Day, M.I. Kaplan, E.M. McGhee & C.L. Limoli: Genomic instability induced by ionizing radiation. Radiation
Research Vol 146, p. 245-258, 1996
17 dito
Schilddrüsenkrebs nach Tschernobyl
Nach dem Tschernobyl-Unfall traten in Weissrussland und der Ukraine zahlreiche kindliche
Schilddrüsenkrebsfälle auf. Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hat
diese Krebsepidemie untersucht und präsentiert hier die Ergebnisse.
A. Kofler, J. P. Bleuer, Th. Abelin*
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fand im April 1986 statt. Schon vier Jahre später wurden aus der
Ukraine die ersten Fälle von kindlichem Schilddrüsenkarzinom gemeldet, die als mögliche Folge des
Unfalles diskutiert wurden.1 In der folgenden Zeit fand in der betroffenen Region ein stetiger Anstieg der
Inzidenz statt. In Weissrussland wuchs sie um über das Zwanzigfache der Ausgangswerte an. Bis 1995
stieg dort die Gesamtzahl der Fälle auf über 500. Diese Kinder waren fast ausnahmslos vor 1986 geboren
worden, unter später geborenen Kinder wurden bisher nur 7 Fälle registriert.
0
20
40
60
80
100
120
140
1986
1987
1988
1989
1990
1991
1992
1993
1994
1995
Jahr der Diagnose
Anzahl Fälle
Neudiagnostizierte Fälle von Schilddrüsenkarzinom
bei Kindern, die 1986 jünger als 15 Jahre alt waren
Abb 1: Tabelle Inzidenz der Kindlichen Schilddrüsenkarzinome bis 1995
Trotz steigender Fallzahlen wurde der kausale Zusammenhang zwischen der radioaktiven Belastung Weissrusslands
und der Krankheit vor allem am Anfang in Zweifel gezogen. Während externe radioaktive Strahlung als Ursache von
Schilddrüsenkarzinomen als erwiesen gilt, weiss man über die Wirkung von inkorporierten radioaktiven Isotopen
insbesondere auf Kleinkinder wenig.
Radioaktives Iod wird für mehrere medizinische Zwecke verwendet, so zum Beispiel bei der Behandlung
verschiedener Schilddrüsenerkrankungen oder als Tracersubstanz. Bei diesen PatientInnen wurde bisher keine
erhöhte Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen beobachtet. Aus Tierversuchen ergeben sich jedoch Hinweise auf die
Karzinogenität von radioaktivem Iod.2
In der Diskussion über die Ursachen der gestiegenen Inzidenz des kindlichen Schilddrüsenkarzinoms in
Weissrussland wurden folgende Argumente geäussert: Die wachsende Anzahl der Fälle sei im wesentlichen auf eine
gesteigerte Aufmerksamkeit und aktives Suchen zurückzuführen. Dabei würden einerseits latente Mikrokarzinome
entdeckt, andererseits würden nun auch jene Tumore registriert, die in den Jahren vor Tschernobyl nicht gemeldet
worden seien.
Ein Vergleich der Durchmesser der operativ entfernten Tumore und deren Stadien lassen jedoch diesen Sachverhalt
sehr unwahrscheinlich erscheinen. Auch weisen die offiziellen Statistiken für die Zeit vor 1986 mit westlichen
Ländern vergleichbare Inzidenzen auf.3
Die kurze Latenzzeit bis zum Auftreten der ersten Fälle gab ebenfalls Anlass, das Reaktorunglück als Ursache in
Zweifel zu ziehen. Zwar wurden auch schon früher Latenzzeiten zwischen Exposition und Ausbildung eines
Schilddrüsenkarzinoms von weniger als fünf Jahren beobachtet, aber noch nie ein so steiler Anstieg der
Inzidenzkurve. Möglicherweise ist dies aber nur Ausdruck eines stark erhöhten Erkrankungsrisikos und Vorbote einer
Epidemie noch grösseren Ausmasses.
Exakte Messungen fehlen
Weiter wurde darauf hingewiesen, dass in einigen Gegenden mit starker radioaktiver Belastung
vergleichsweise wenige Fälle von Schilddrüsenkarzinomen auftraten. Dieses Argument lässt jedoch
ausser acht, dass die Messungen der Radioaktivität vor allem Cäsium und nicht die für die Pathogenese
massgeblichen Iod-Isotope erfassten. Von diesen existieren nur wenige Messwerte, da sie kurze
Halbwertszeiten aufweisen, zudem wurden die Messungen mit einer gewissen Verspätung und nur an
wenigen Orten durchgeführt. Dadurch hat man die Möglichkeit einer ausführlichen Dokumentation
verpasst.
Hinweise auf den ursächlichen Zusammenhang des Reaktorunfalles mit den Schilddrüsenkarzinomen bei
Kindern ergeben sich aus der geographischen Verteilung, wobei zunächst die sehr hohen Inzidenzen in
der Grenzregion nahe bei Tschernobyl auffallen. Eine Möglichkeit, um dies genauer untersuchen zu
können, stellt das Kriging dar, eine Methode, die aus der Geostatistik stammt und dort verwendet wird, um
beispielsweise die Verteilung von Bodenschätzen abzuschätzen. Dabei werden Werte zwischen den
verstreuten Messpunkten interpoliert; dies erlaubt eine Kartographie, auch wenn nur eine beschränkte
Anzahl Messungen vorliegt. Die derart erzeugte Karte der Inzidenz des kindlichen Schilddrüsenkarzinoms
weist eine grosse Ähnlichkeit mit der offiziellen Karte der Belastung mit Iod-131 auf. Zwar muss man
diese Karte mit einigen Vorbehalten betrachten, da sie auf einer Dosisrekonstruktion beruht, welche die
Cäsium-Messungen verwendet und deren Methode nicht veröffentlicht wurde. Jedoch wurde sie publiziert,
bevor die Verteilung der Schilddrüsenkarzinome bekannt wurde, sodass eine Beeinflussung durch diese
ausgeschlossen werden kann.4
Hilfe benötigt Forschung
Insgesamt lässt sich heute sagen, dass die stark gestiegene Inzidenz des kindlichen
Schilddrüsenkarzinoms in Weissrussland mit hoher Wahrscheinlichkeit als eine Folge der
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl angesehen werden kann. Der weitere Verlauf der Epidemie ist nur
schwer abzuschätzen, da Erfahrungen mit derartigen Ereignissen fehlen. Dies zeigt die Wichtigkeit der
weiteren Forschung, nicht nur, um neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von niedrig dosierter
Strahlung zu gewinnen, sondern auch, um der Bevölkerung konkret zu helfen. Beispielsweise können so
bei Screening-Programmen die beschränkten Mittel effizient eingesetzt werden, indem man sich auf die
am stärksten betroffenen Regionen und Altersgruppen konzentriert.
A. Kofler, J. P. Bleuer, Th. Abelin, Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern,
Finkelhubelweg 11, 3012 Bern (WHO Collaborating Centre for Epidemiology of Radiation and Thyroid
Disease). Die Autoren danken dem Bundesamt f‘ür Gesundheit für die finanzielle Unterstützung.
1 Prisyazhiuk A, Pjatak O, Buzanov VA, Reeves GK, Beral V. Cancer in Ukraine, post-Chernobyl. Lancet 1991;338:1334-5.
2 Thyroid Cancer in Children living near Chernobyl Expert panel report on the consequences of the Chernobyl accident Edited by
Williams D, Pinchera A, Karaouglou, Chadwick KH Commission of the European Communities, Brüssel 1993
3 Abelin T, Averkin JI, Egger M,Egloff B, Furmanchuk AW,Gurnter F, Korotkevich JA, Marx A, Matveyenko II, Okeanov OE, Ruchti
C, Schäppi W.
Thyroid cancer in Belarus post-Chernobyl: Improved detection or increased incidence? Soz. u. Präventivmedizin 1994; 39: 189 -
197
4 Bleuer JP, Dubois G, Prudyvus IS, Maignan M, Averkin JI, Krivoruchko KA, Abelin T. Analysis of spatial correlation of radioactive
iodine deposition and thyroid cancer occurrence in Belarus post-Chernobyl Health effects of low dose radiation British Nuclear
Energy Society, London 1997

Nutzbringende Strahlung
Die Nukleardiagnostik ist aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Doch dazu
benötigt sie Radionuklide und produziert damit geringe Mengen radioaktiven
Abfall.
Prof. Dr. med. A. Nidecker ist Radiologe und führt in Basel ein Röntgeninstitut; Untere Rebgasse 18, 4058 Basel.
Das Fach der Nuklearmedizin konzentriert sich in den meisten Fällen auf das Erkennen beziehungsweise
die Diagnostik bestimmter Erkrankungen mittels radioaktiver Substanzen, sogenannter Radiopharmaka.
Bei der nuklearmedizinischen Diagnostik wird ein kurzlebiges Radiopharmakon – das heisst eines, das nur
wenige Stunden aktiv ist – in den Körper des Patienten injiziert. Anschliessend kann man mit einem
empfindlichen Diagnoseinstrument (der Gammakamera) die Verteilung des Radiopharmakons in den
Geweben prüfen.
Herzstück der Gammakamera bilden die Szintillationskristalle, welche die aus dem Körper des Patienten
eintreffenden Gammaquanten in Blitze oder Szintillationen verwandeln, weshalb dieses Diagnoseverfahren
auch «Szintigraphie» genannt wird.
Radiopharmaka bestehen aus einer radioaktiven Substanz und einem Trägermolekül. Letzteres bestimmt
in erster Linie, wo sich die betreffende Substanz im Körper ansammelt. Dies kann beispielsweise im
Knochen, im Herz, in der Schilddrüse, in den Nieren, Lungen oder im Gehirn sein. Am häufigsten
verwendet die moderne nuklearmedizinische Diagnostik als Radionuklid ein Technetium-Isotop, das eine
Halbwertszeit von sechs Stunden aufweist.
Die Szintigraphie stellt ein ergänzendes Verfahren zur Röntgendiagnostik dar: Röntgenaufnahmen stellen
die Form und Anatomie der Organe dar, die Szintigraphie macht hingegen deren Funktion sichtbar.
Klinische Anwendung
Viele Erkrankungen können im Frühstadium oft nur szintigraphisch erfasst werden, weshalb die
nuklearmedizinische Diagnostik aus der modernen Radiologie nicht mehr wegzudenken ist. So werden
nuklearmedizinische Bilder benötigt, um beispielsweise festzustellen, wie weit sich ein Tumor ausgebreitet
hat; man kann aber auch bei einer Lungenembolie das Blutgerinnsel in der Lunge beobachten oder die
Durchblutung des Gehirns respektive der Nieren kontrollieren oder bestimmte Knoten in der Schilddrüse
typisieren.
Die Nuklearmedizin hat sich aber auch bei der Diagnostik von Herzdurchblutungsstörungen bewährt.
Versteckte, weil mittels Röntgenbildern nicht erfassbare Überlastungszustände des Skeletts oder gar
Ermüdungsbrüche lassen sich szintigraphisch ebenfalls gut erfassen.
Seltener kommt die Nuklearmedizin auch bei der Behandlung von Erkrankungen zum Zug: So kann eine
Überfunktion der Schilddrüse gelegentlich mittels einer Radioiodtherapie angegangen und
Knochenmetastasen können unter Umständen mit Radiophosphor behandelt werden.
Produktion von Radionukliden
Bei Radionukliden oder Isotopen handelt es sich um Variationen eines bestimmten chemischen Elements,
erklärbar durch deren unterschiedliche Anzahl von Neutronen im Kern. Nuklide können stabil oder instabil
sein. Instabile Isotope teilen und verwandeln sich dabei in andere chemische Elemente; bei diesem
Spaltungsprozess wird radioaktive Strahlung freigesetzt. Es gibt natürliche Radionuklide – wie zum
Beispiel Uran-, Thorium- oder Kaliumisotope – sowie künstlich erzeugte. Die künstlichen Radionuklide
kann man produzieren, indem man stabile Nuklide in einem Kernreaktor mit Neutronen, Protonen,
Alphateilchen oder schweren Ionen bestrahlt.
Instabile Nuklide weisen unterschiedlich lange physikalische Halbwertszeiten (HWZ) auf, die von einigen
Sekunden bis zu Jahrtausenden dauern können. Daneben gibt es aber auch die biologische Halbwertszeit;
dies ist die Zeit, die der Körper normalerweise braucht, um die Hälfte der Radionuklide, die sich im
Organismus befinden, auszuscheiden.
Die physikalische HWZ muss zusammen mit der biologischen HWZ der Trägersubstanz berücksichtigt
werden – daraus resultiert dann die sogenannte effektive Halbwertszeit, welche bestimmt, wie lange ein
Radiopharmakon im Körper aktiv bleibt und für die Untersuchungen genutzt werden kann, aber auch wie
lange die Strahlenbelastung andauert.
Da die Strahlenbelastung des Organismus möglichst gering sein sollte, haben kurzlebige Radionuklide in
der Nuklearmedizin eine besondere Bedeutung. Sie lassen sich im Cyclotron, in einem Kernreaktor oder
durch «Elution» (Auswaschung) in einem radioaktiven Generator erzeugen. In diesem Generator befindet
sich eine langlebige Muttersubstanz, die ein kurzlebiges Tochternuklid liefert. Am häufigsten werden
Molybdän-Generatoren (Molybdän-99) verwendet, welche als Tochternuklide das oft verwendete
Technetium-99 liefern. Die Generatoren – thermosflaschengrosse Behälter, die man auch «radioaktive
Kühe» nennt – werden zusammen mit der Muttersubstanz kommerziell vertrieben und in
nuklearmedizinischen Abteilungen oder Instituten im Abonnement (z.B. wöchentlich) angeliefert.
Das Technetium-Eluat wird anschliessend zur Markierung der Trägersubstanz verwendet, welche in Form
eines Kits zur Verfügung steht. Daraus entsteht schliesslich das Radiopharmakon respektive die Substanz,
welche zur Diagnose benötigt wird.
Strahlenbelastung und Strahlenschutz
Die Nuklearmedizin hat trotz neuerer bildgebender Verfahren in der Radiologie – wie die Computer- und
Magnetresonanztomographie – in den vergangenen Jahren ihren Platz in der Diagnostik behalten.
Weltweit werden in den reichen Ländern Hunderttausende von Untersuchungen jährlich durchgeführt.
Folgende Tabelle gibt Auskunft über die Strahlenbelastung durch einige der gängigen
nuklearmedizinischen Untersuchungen im Vergleich zu den empfangenen Dosen durch
Röntgenuntersuchungen:
Untersuchung Effektive
Aequivalentdosis1
Szintigraphie:
Hirn 5 mSv
Leber 1 mSv
Knochen 4 mSv
Schilddrüsen 0.8 mSv
Röntgenbild:
Thorax 0.05 mSv
Schädel 0.15 mSv
Computertomographie:
Abdomen 2.6 mSv
Thorax 4.8 mSv
Kontrastdarstellgung:
Magendarm-Trakt 3.8 mSv
Dickdarm 7.7 mSv
Zum Vergleich:
Jahresgrenzwert für beruflich
strahlenexponierte Personen 20 mSv
Jahresgrenzwert für die Allgemeinbevölkerung
1 mSv
Die angegebenen Zahlenwerte sind Durchschnittswerte. Das Spektrum der Strahlenbelastung ist bei den
Szintigraphien nicht so gross wie bei den Röntgenverfahren, weil gewöhnlich immer wieder die gleichen,
international als adäquat erachteten Quantitäten der Radiopharmaka appliziert werden. Unterschiedliche
Strahlenbelastungen der PatientInnen treten deshalb auf, weil jeder Mensch die Radiopharmaka
unterschiedlich schnell abbaut und ausscheidet, so dass die radioaktiven Substanzen je nachdem länger
oder kürzer im Körper verweilen.
Bezüglich Strahlenschutz muss bei der Verwendung radioaktiver Substanzen sowohl der Patient, als auch
das Personal berücksichtigt werden. Immer muss das Risiko der nuklearmedizinischen Untersuchung dem
Nutzen beziehungsweise der erwarteten Aussage gegenübergestellt werden. Massgeblich für den
Strahlenschutz bei der medizinischen Anwendung radioaktiver Stoffe ist in der Schweiz die Strahlenschutzverordnung.
2 Strahlenschutzmassnahmen sind streng und betreffen einerseits bauliche
Massnahmen in den Untersuchungsräumen, andrerseits auch Transport, Aufbewahrung und Verwendung
der Radiopharmaka vor und während der Untersuchungen. Grundsätzlich werden nuklearmedizinische
Untersuchungen nur von speziell geschultem, medizinisch-technischem Röntgenpersonal durchgeführt
und die Untersuchungsresultate durchwegs von NuklearmedizinerInnen und RadiologInnen interpretiert.
Radioaktive Abfälle aus der medizinischen Diagnostik
Radioaktive Abfälle werden in radioaktive Abluft, flüssige und feste, aber auch in lang- und kurzlebige
radioaktive Abfälle unterteilt. Dabei werden verschiedene Kategorien unterschieden3:
1. Die hochaktiven Abfälle aus kommerziellen und (bsp. in den USA) militärischen Anlagen.
2. Die transuranen Abfälle (hauptsächlich Alphastrahler) aus der militärischen Produktion.
3. Die Minenabfälle aus dem Uranerzabbau.
4. Die schwach- und mittelaktiven Abfälle aus der kommerziellen Kernenergienutzung, der
Forschung und der Medizin.
In der Schweiz wird der Gewichtsanteil hochaktiver Abfälle als sehr klein (12 Tonnen pro Jahr) gegenüber
den schwach- und mittelaktiven Abfälle (735 Tonnen jährlich) angegeben.4 Aus der medizinischen
Diagnostik fallen nur schwachaktive Abfälle (gebrauchte Molybdän-99-Generatoren, kontaminierte
Handschuhe, Lappen, Spritzen etc.) an, die jedoch in Volumen, vor allem aber bezüglich ihrer Aktivität nur
einen sehr geringen Anteil aller schwachaktiven Abfälle ausmachen: Im Jahr 2033 – wenn die heute noch
laufenden Reaktoren abgebrochen sind und endgelagert werden müssen – wird die Medizin zusammen
mit der Forschung und der Industrie lediglich 0,03 Prozent zum insgesamt anfallenden Strahleninventar in
der Schweiz beisteuern.5
Ähnlich sieht es auch in den USA aus. Dort stammen ebenfalls die allergrössten Abfallmengen sowohl in
Volumen als auch in Radioaktivität aus der kommerziellen Kernenergienutzung, der
Atomwaffenproduktion sowie dem Uranerzabbau. Es wurden in den USA durch die Nuclear Regulatory
Commission (NRC) in den vergangenen Jahrzehnten über 20 000 Lizenzen zur Herstellung und zum
kommerziellen Gebrauch radioaktiver Substanzen ausgestellt. Die meisten dieser Betriebe (Spitäler,
Radionuklidhersteller, Forschungsbetriebe) produzieren jedoch «low-level waste», niedrigaktive Abfälle.
Von diesen kommerziellen Betrieben, welche schwachaktive Abfälle erzeugen, ist die AKW-Industrie mit
ca. 70 Prozent des Volumens und 95 Prozent der Radioaktivität in Curie bei weitem die grösste Quelle.6
1 Aus: Shields RA, Lawson RS. Effective dose equivalent. Nuclear Medicine Communications, 8 (851 - 855), 1987
2 StSG 814.50 und StSV 814.501, 1991
3 Aus: Makhijani A, Saleska S. High-level Dollars, low-level Sense - A critique of present policy for the Management of long-lived
radioactive Waste and Discussion of an Alternative Approach
4 Radioaktive Abfälle unter Kontrolle. Informationsstelle für Elektrizitätsanwendung (INFEL) des Verbands Schweizerischer
Elektrizitätswerke (VSE)
5 Die Daten basieren auf einer Berechnung von Heini Glauser, SES, 1995
6 DOE, 1990d. US Dept of Energy. Integrated Data Base for 1990: US spent fuel and radioactive waste inventories, projections
and characteristics . DOE/RW-0006, Rev. 6

Bankrotterklärung der Plutoniumwirtschaft
Jedes Atomkraftwerk, das MOX-Brennstoff einsetzt, ist ein Lager von direkt waffenfähigem
Plutonium, wie eine neue, internationale Studie konstatiert. In der Schweiz betrifft dies die
Atomkraftwerke Beznau I und II sowie Gösgen
Mycle Schneider
Mycle Schneider ist Direktor von WISE-Paris und erhielt 1997 den alternativen Nobelpreis (WISE-Paris, 31-33 rue de la colonie, F-
75013 Paris, Tel: +33-1-45 65 47 93, Fax: +33-1-45 80 48 58).
Es ist, als sei ein 45 Jahre währender Traum zu Ende gegangen.
Am 2. Februar 1998 hat die französische Regierung den Schnellen Brüter Superphénix im Rhonetal
endgültig zurück in die Asche geschickt. Die energetische Fatamorgana der Brutreaktoren begann am 20.
Dezember 1951: An diesem Tag erzeugte der Experimental Breeder Reactor No. 1 (EBR-1) im USamerikanischen
Idaho Falls als weltweit erstes Atomkraftwerk Strom und brachte vier 200-Watt-
Glühbirnen zum Leuchten. Die Faszination der Technokraten war verständlich und liess sich ohne
Schwierigkeiten auf die Politiker übertragen. Schliesslich sollten diese wundersamen Maschinen mehr
Plutonium erzeugen, als sie zur Energieproduktion verbrauchen – ein energetisches Perpetuum Mobile.
Während 1976/77 die Schlägertrupps der Bereitschaftspolizei CRS wiederholt in Creys-Malville den Weg
für die Baumaschinen gegen den erbitterten Widerstand der Bevölkerung freiprügelten, verkündete der
Chef des Atomenergiekommissariats das Ergebnis seines Blicks in die Kristallkugel: Bis zum
Jahrhundertwechsel sei weltweit mit 540 Kraftwerken vom Typ Superphénix zu rechnen. Parallel dazu
errechnete die Nuclear Energy Agency der OECD, dass bis zum Jahr 2000 allein in ihren damals 24
Mitgliedländern weit über 1 000 herkömmliche Reaktoren in Betrieb sein werden. Man sprach von
bevorstehenden schweren Versorgungsengpässen und einer entsprechenden Verteuerung des
Natururans.
Doch es kam anders. Die Atomeuphorie war in den USA bereits verflogen, als es in Westeuropa erst
losging. Die letzte, nicht stornierte Bestellung eines amerikanischen AKW datiert vom Oktober 1973.
Heute sind in der OECD 328 AKW in Betrieb, Tendenz fallend – also nicht einmal ein Drittel der erwarteten
Meiler. Statt ins Uferlose zu steigen, purzelte der Uranpreis von einem historischen Tief ins andere. In den
Bereichen Konversion und Anreicherung von Uran entstanden gigantische Überkapazitäten.
Der Superphénix von Creys-Malville ist der einzige, jemals fertiggestellte Brutreaktor der anvisierten
industriellen Grössenordnung von 1 200 Megawatt (MW). Am Heiligabend 1996, genau 45 Jahre und vier
Tage nachdem der EBR-1 die erste atomare Kilowattstunde in Idaho produziert hatte, wurde der
Superphénix für einen «geplanten Stillstand» – für Reparaturen und Umbauten, die sechs Monate dauern
sollten – vom Netz genommen. Niemand ahnte, dass die zwei gigantischen 600-MW-Turbinen sich nie
wieder drehen sollten. Doch im Februar 1997 kassierte das höchste französische Gericht, der Conseil
d’Etat, die Betriebsgenehmigung des Brüters. Die Regierung hatte die Bestimmung des Reaktors allzu
leichtfertig von Stromproduktion auf Forschung umgeschrieben.
Mindestens 15 Milliarden verloren
Im März 1997 verabschiedeten dann die Sozialistische Partei und die Grünen eine gemeinsame Plattform
für die unerwarteten Neuwahlen, in der das Abschalten des Brüters ganz oben stand. Im Juni 1997
bestätigte der frischgewählte Premier Lionel Jospin die «Aufgabe» des Superphénix. Dieser Begriff –
«l’abandon» im Französischen – führte schnell zu Spekulationen. Damit sei nicht ausgeschlossen, hiess
es, den Reaktor noch einmal anzuwerfen, und sei es nur, um den Restbrennstoff zu nutzen. Erst die
interministerielle Erklärung vom Februar 1998 machte dem Spuk ein endgültiges Ende: Der Brüter wird
definitiv stillgelegt und abgebrochen.
Das Erwachen ist bitter. Laut Berechnungen des Cour des Comptes von 1996 hat das Abenteuer
Superphénix ca. 60 Milliarden französische Francs (ca. 15 Millarden Schweizer Franken) verschlungen.
Diese Rechnung ist zweifellos noch grob unterschätzt. Sie veranschlagt für den Abriss weniger als fünf
Milliarden Francs, kaum mehr, als die in Frankreich – aus der Luft gegriffenen – für herkömmliche
Kraftwerke angesetzten 15 Prozent der reinen Investitionskosten.
Die ersten Analysen haben freilich gezeigt, dass die Betreiber für diese ultra-moderne Anlage nicht einmal
ein Abschaltverfahren entwickelt haben. So bleibt vorerst ungeklärt, wie die rund 4 500 Tonnen Natrium
sicher ausgeladen und entsorgt werden sollen. Im Falle des deutschen Brutreaktors in Kalkar, der nie mit
Brennstoff beladen wurde und dessen Primärnatrium deshalb auch nie kontaminiert war, dauerten
Entladung und Abtransport etwa zwei Jahre. In Malville ist etwa das Fünffache der in Kalkar behandelten
Natriummenge zu entsorgen.
Noch offen ist auch die Frage, wohin der bestrahlte Brennstoff des Superphénix verbracht und wie mit
einem bereits hergestellten Zweitkern, der weitere sechs Tonnen unbestrahltes Plutonium enthält, zu
verfahren ist. Intern gibt die Betreiberfirma NERSA unumwunden zu, dass es keinen Anreiz für die
aufwendige Abtrennung des in den Brennstoffen – bestrahlt oder unbestrahlt – befindlichen Plutoniums
gibt. So wird der Grundgedanke des Plutoniumbrütersystems vielleicht gänzlich ad absurdum geführt und
der bestrahlte Brennstoff der direkten Endlagerung zugeführt.
Gewaltige Plutoniumberge
Kein Wunder, mit atemberaubender Geschwindigkeit häufen sich in Westeuropa gewaltige
Plutoniumberge an. Während der Ablauf der Geschichte sich nicht nach den Kristallkugelvisionen der
Atomindustrie richtete, haben die staatlichen Nuklearunternehmen – Cogema in Frankreich und BNFL in
Britannien – den Bau gigantischer Plutoniumfabriken in La Hague (F) und im Sellafield (GB) unbeirrt
fortgesetzt. Erst 1989/90 ging in La Hague die Anlagen UP2-800 und UP3 in Betrieb, die die ursprüngliche
Kapazität von 400 auf etwa 1600 Jahrestonnen erhöhten. Die neue 800-Tonnen-Anlage THORP in
Sellafield startete gar erst 1994; da war der Plutoniumbestand in Britannien bereits auf über 40 Tonnen
angewachsen. Die Hauptrolle im Plutoniumpoker spielen neben Frankreich und Britannien vor allem
Deutschland und Japan; sie bestreiten etwa 80 Prozent des ausländischen Auftragvolumens von Cogema
und BNFL.
Als die Brüterpleite Anfang der achtziger Jahre ruchbar wurde, entwickelten die Vertreter der
Plutoniumwirtschaft das Übergangskonzept «MOX»: Uran-Plutonium-Mischoxydbrennstoff, kurz MOX,
sollte in Leichtwasserreaktoren eingesetzt werden. Das abgetrennte Plutonium, das in La Hague und
Sellafield anfiel, sollte auf diese Weise absorbiert werden; man wollte so die Lücke füllen, bis die Brüter
kommen. Die bestehenden milliardenschweren Verträge müssten nicht in Frage gestellt, die
Plutoniumfabriken könnten zu Ende gebaut, das Gesicht der Atomstrategen gewahrt werden. So der Plan.
Die Brüterpleite wurde jedoch nie öffentlich zugegeben, die MOX-Strategie niemals öffentlich diskutiert.
Letztere erweist sich heute als perfider Doppel-Trick: Die MOX-Lösung heisst es, erlaube das
schwerwiegende Problem der Plutoniumberge zu beseitigen – und erlaubt gleichzeitig, das Problem weiter
zu verschärfen. Die Verschärfung des Problems bedeutet, dass zahlreiche Atommeiler auch noch weit in
die Zukunft hinein betrieben werden müssen, denn um das Plutonium zurückzuführen, bedarf es natürlich
eines gewissen Bestands an Reaktoren. Dies gilt für fast alle Länder, die heute
Wiederaufarbeitungsverträge haben.
Es ist klar, dass in keinem westeuropäischen Land ein neues Atomkraftwerk gebaut werden wird. Es geht
nur noch um den «Bestandsschutz» laufender Meiler, ob in Deutschland, Holland, Schweden oder in der
Schweiz.
Mit der MOX-Strategie versuchen die Stromunternehmen die betroffenen Länder auch langfristig vor
vollendete Tatsachen zu stellen. Dies, obwohl die MOX-Produktion und -Nutzung sich eindeutig nicht nur
als Plutoniumfalle für Ausstiegswillige, sondern als eindeutiger Irrweg entpuppt hat.
Vernichtende MOX-Kritik
Ende letzten Jahres hat die Projektgruppe International MOX Assessment (IMA) unter der gemeinsamen
Leitung von Dr. Jinzaburo Takagi, Direktor des Tokioter Citizens’ Nuclear Information Centers, und dem
Autor in Tokio, Paris und London ihren Abschlussbericht* vorgelegt. An dem zweijährigen IMA-Projekt
haben 15 Wissenschaftler aus sechs Ländern teilgenommen, darunter der ehemalige Direktor des
Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI Frank Barnaby, der Leiter des Washingtoner Nuclear
Control Institutes Paul Leventhal und der stellvertretende Chef der russischen Kontrollbehörde
Gosatomnadzor Alexander Dmitriew. Die 335-Seiten-Studie ist eine vernichtende Kritik der Rückführung
von Plutonium in herkömmliche Reaktoren: Der IMA-Bericht stellt abschliessend fest, dass «die Nachteile
des Plutonium-MOX-Pfades gegenüber der direkten Endlagerung überwältigend sind, ob auf der Ebene
industrieller, strategischer, sicherheits- und abfalltechnischer, oder gesellschaftlicher Implikationen».
Die MOX-Strategie ändert nichts an den Grundübeln und Auswüchsen der Plutoniumwirtschaft. Im
Gegenteil :
• Anfang 1997, zehn Jahre nach Beginn der industriellen MOX-Nutzung in französischen Reaktoren, lag
der Plutoniumbestand in Frankreich und England zusammen bei etwa 120 Tonnen, etwa drei Viertel des
weltweiten «zivilen» Bestands. Diese Halde wächst jährlich, trotz MOX-Programmen, um etwa 15 Tonnen
an. Im Jahr 2001 wird der «zivile» Bestand den militärischen Bestand voraussichtlich bereits übertreffen.
• Weniger als 10 Kilogramm Plutonium sind nötig für den Bau eines Atomsprengkörpers (die o.g. Menge
reicht demnach für etwa 12 000 Bomben).
• Die tödliche Dosis für die Entstehung von Lungenkrebs wird bereits durch die Inhalation von Plutonium
im Mikrogrammbereich erreicht (die o.g. Menge reicht theoretisch, um die Weltbevölkerung 10 000 mal zu
vergiften).
Laien können mit MOX Bomben bauen
Der IMA-Bericht veröffentlicht darüber hinaus zum ersten Mal die atemberaubende Beurteilung des
Proliferationsrisikos von Reaktorplutonium durch den amerikanischen Wissenschaftler Matthew Bunn,
stellvertretender Direktor des Programms für Wissenschaft, Technologie und Staatspolitik der John F.
Kennedy School of Government der Harvard Universität. Bunn leitete die grossangelegte Untersuchung
der National Academy of Sciences zur Entsorgung amerikanischen Waffenplutoniums. Bunns Forschung
erlaubte nicht nur Zugang zu bisher geheimgehaltenen Dokumenten «von beispielloser Detailliertheit zu
diesem Thema», sondern auch Gespräche mit Waffendesignern aller Atomstaaten. Sein Fazit ist in der
Tat selbst für Fachleute von geradezu brutaler Klarheit: Für einen Laien würde die Herstellung eines
groben Atomsprengsatzes mit reaktorgrädigem Plutonium «nicht mehr Spezialisierung bedürfen als der
Bau einer Bombe mit waffengrädigem Plutonium». Ausserdem erklärte ein russischer Waffendesigner,
dass es «unter gewissen Umständen leichter sei, für einen Laien mit reaktorgrädigem Plutonium eine
Bombe zu bauen (da kein Neutronengenerator nötig wäre)».
Die Mär vom «schlechten» Plutonium für den Bombenbau ist hiermit endgültig begraben. Ausserdem
lassen die Untersuchungen von Frank Barnaby im Rahmen des IMA-Projekts keinen Zweifel an der
Tatsache, dass frischer MOX-Brennstoff wie abgetrenntes Plutonium zu beurteilen ist, da seine
Herauslösung keinerlei technische Schwierigkeiten bereiten würde. Damit wird jeder MOX-lagernde
Standort, also auch jeder betroffene Reaktor, zu einem Lager von direkt waffenfähigem Material. Ein
Alptraum für die Vertreter von Staat und Industrie, die für den physischen Schutz von Atomtransporten
verantwortlich sind.
Den Plutoniumpoker beenden
Die IMA Studie belegt, dass MOX-Brennstoff ausserdem die Betriebssicherheitsmarge der AKW
verringert, die Konsequenzen eines hypothetischen Unfalls verschlimmert, das Problem des abgebrannten
Brennstoffs verschärft und die Brennstoffkosten erheblich steigert. Es ist erstaunlich, mit welcher
Leichtigkeit die MOX-Option bisher von den westlichen Demokratien – ohne jegliche Rechtfertigung ihrer
Promotoren – hingenommen worden ist. Dramatisch ist die Tatsache, dass die Plutoniumindustrie es
offensichtlich bisher verstanden hat, ihre Strategie als Fatalität zu verkaufen. Die Politik – heute meist weit
davon entfernt, Plutonium als Idealsubstanz verteidigen zu wollen – sieht sich unfähig, das Zepter wieder
in die Hand zu nehmen.
Und doch, wenn wir unseren Kindern eine andere Zukunft hinterlassen wollen, als das Krisenmanagement
des Erbes unserer Eltern, müssen wir die Optionen wieder eröffnen. Es kann nicht angehen, dass
weiterhin Schadensbegrenzung der Entscheidungen von gestern über Kenntisse und Wertvorstellungen
von heute siegt. Plutonium ist ein menschgemachtes Problem. Die Effizienz der Nutzung seines
Energiepotentials hat sich in grauenhafter Form auf die Nagasakibombe beschränkt. Alle anderen
Versuche sind definitiv gescheitert. Der Nutzen ist weit davon entfernt, die Kosten zu decken. Die
Plutoniumberge sollten deshalb der am wenigsten schlechten Lösung zugeführt werden: Die
Konditionierung mit anderem hochaktiven Müll zu einem «endlagergerechten Gebinde». Was immer das
heissen mag.
Jinzaburo Takagi et al.: «Comprehensive Social Impact Assessment of MOX Use in Light Water Reactors», Citizens’ Nuclear
Information Center, Tokio, November 1997, 335 Seiten; zu beziehen auf Rechnung bei WISE-Paris, 400 fF (160 fF für NGOs) +
MWSt. + Porto.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Schweinekiller-Virus aus israelischem Biowaffenlabor Nes Ziona?

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Schweinekiller-Virus aus israelischem Biowaffenlabor Nes Ziona?

Gestern überraschte der seriöse INDEPENDENT seine Online-Leser mit einer so traurigen wie beunruhigenden Nachricht:

Felipe Solis, ein bedeutender Archäologe in Mexiko-Stadt, hatte Barack Obama bei dessen Mexiko-Besuch Mitte des Monats April 2009 im Anthropologischen Museum von Mexiko-City als Bärenführer gedient. Noch am 16. April 2009 hatte der kundige Archäologe Felipe Solis den amerikanischen Präsidenten beim Galadiner im Museum betreut. Er ist am Tag danach p l ö t z l i c h und unerwartet an Grippe-ähnlichen Symptomen verstorben.







Natürlich denkt da jedermann sofort an das überraschende Auftauchen des rätselhaft veränderten Schweinegrippe-Virus A/H1N1 ausgerechnet in Mexiko-City! Ein Killer-Virus, das aussieht wie maßgeschneidert aus einem Bio-Kriegswaffen-Labor. FAZ-NET meldet auffallend knapp: "Über das Entstehen des Virus ist wenig bekannt." In der mexikanischen Ortschaft "La Gloria" soll der bisherige "Patient null" aufgespürt worden sein, doch muss der Ursprung des Schweinegrippe-Erregers tatsächlich nicht in der Ortschaft liegen. Wie die New York Times schreibt, leben dort viele Immigranten aus den USA. Daher könnte das Virus laut mexikanischen Seuchenexperten auch von außen gekommen sein.

[Eilmeldung: Soeben meldet die angesehene franz. Tageszeitung "Le Monde", Obama`s Pressesprecher Robert Gibbs habe mitgeteilt, es könne vor zwei Wochen bei dem fraglichen Mexiko-Besuch Obama`s in dessen Begleitmannschaft jemand gewesen sein, der an dem Schweinegrippevirus A/H1N1 erkrankt gewesen sei, Text:

"Possible cas de grippe porcine dans la délégation Obama au Mexique
30.04.09 | 19h49

Le porte-parole de Barack Obama Robert Gibbs a fait état jeudi d'un possible cas de grippe porcine dans la délégation ayant accompagné le président américain au Mexique en avril."

Interessante Meldung. In der Kürze liegt die Würze.]




Riesenmutation im chinesischen Jahr des Schweins? Kann das Virus noch gestoppt werden? Mit bis zu 100 Millionen Toten (die Zahl wurde von einem Journalisten in der WHO-Pressekonferenz genannt) bei einer weltweiten Pandemie (in Deutschland bis zu 170.000 Toten, "Stern") rechnen "Hysteriker". Dank der Fortschritte in der Hygiene (Atemschutzmasken, Händewaschen nicht vergessen!) dürfte dieser Kelch wohl an uns vorübergehen. Die Panikmache der Journaille ist bloß zur Umsatzsteigerung gekaufte Zweckpropaganda der Pharmaindustrie (Roche pp.) .


Auch zum Virusnachweis weiß die FAZ im gleichen Artikel Merkwürdiges zu berichten: "Eine Schwierigkeit dabei: Mit dem Standardverfahren, dem sogenannten PCR-Test („Polymerase Chain Reaction“, Polymerase-Kettenreaktion), der auch beim genetischen Fingerabdruck zum Einsatz kommt, ist diesem Virus nicht beizukommen. Der Erreger trägt genetisches Material vom Schwein, von Vögeln und vom Menschen in sich, der Präsident des RKI, Jörg Hinrich Hacker, spricht von einem „Mosaikvirus“. Das entscheidende Sequenzstück, das durch den PCR-Text normalerweise erkannt wird, fehlt aber." Soso ihr Krummnasen, ja dann viel Glück beim Entwickeln des Impfstoffs!

"A/H1N1-Schwein" kann anders als die Vogelgrippe erstmals problemlos durch Tröpfcheninfektion, also beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen werden. 152 Mexikaner sind laut dortigem Gesundheitsminister an der merkwürdigen Schweinegrippe gestorben, 1600 erkrankt. Inzwischen rudert Mexiko zurück, nur sieben Todesfälle sollen nachweislich auf den A/H1N1-Virus zurückgeführt werden können.

Das Virus hat sich per Flugtourismus schon bis Neuseeland ausgebreitet. Derweil bettelt das bitterarme Mittelamerika um wirksame Medikamente. Warum die unterbelichteten WHO-Offiziellen nicht sofort genug "Tamiflu" oder "Relenza" - Medikamente an Mexiko geliefert haben und bis jetzt weder Mexikos Grenzen noch Flughäfen schließen ließen, bleibt ihr Geheimnis. An Geld dürfte es in Genf nicht mangeln.

Am 29.04.09 wurde mit der "Phase Fünf" die zweithöchste Stufe im Phasenkonzept der WHO zur Eindämmung/Verhinderung einer Pandemie ausgerufen.

Auch einen 26jährigen Israeli, der mit einem Kumpel - warum wohl - im selben Zeitraum wie Obama in Mexiko-City war, hat es erwischt. Er konnte in Israel, wo - oh Wunder - das richtige Gegenmittel sofort zur Hand war, unverzüglich gesund gemacht werden.

Sollte auch Felipe Solis an der Schweinegrippe gestorben sein? Nicht doch, beruhigt der Sprecher des mexikanischen Gesundheitsministers. Er sagt, Solis starb an „Pneumonia“ und es wird im Traum nicht gedacht, dass er sich etwa den Schweinegrippenvirus an Land gezogen haben könnte. Eine Autopsie wäre da eigentlich überfällig gewesen, aber man hört nichts. Eisiges Schweigen.

Soviel Naivität überrascht nun wieder. Die Ärzte des US-Präsidenten versichern derweil, Obama sei sauber und zeige trotz der maliziösen Begegnung keine Grippe-Symptome nach der üblichen Inkubationszeit von vier bis sechs Tagen, so der Sprecher des Weißen Hauses.

Damit könnte diese Story zu Ende sein. Wenn nicht, ja wenn nicht gestern zufällig auch die B 747 des US-Präsidenten eine halbe Stunde lang in Begleitung von zwei Abfangjägern der US-Airforce im Tiefflug über New York gekreist wäre, "um ein bißchen zu fotografieren", wie es heißt. Das ist doch sehr komisch. "Um ein bißchen zu fotografieren" nimmt man doch nicht die Präsidentenmaschine. Dafür gibt es doch auf Luftaufnahmen spezialisierte Bildagenturen. Der normale Bürger von New York sei informiert gewesen, heißt es im TV. Dennoch stürzten, wie TV-Bilder der ZDF-Mediathek belegen, Hunderte fluchtartig aus ihren Wolkenkratzern und suchten Deckung in den nächstgelegenen U-Bahn-Schächten. Offenbar waren nicht A l l e New Yorker informiert worden. Cui bono, wem nützt die ganze Schweinekiller-Virus-Panik? Wer steckt hinter der "Schweinerei" und wollte Obama, der gerade 100 Tage im Amt ist, durch den Tiefflug zusätzlich ein wenig in Mißkredit bringen? Irgendwas ist hier nicht ganz koscher.

Auf der Suche nach der Wahrheit (russ.: „Prawda“) gerät man via Yahoo mit dem Stichwort „Biowaffen“ (was könnte H1N1 denn anderes sein als ein Killer-Virus, wenn der Keim so urplötzlich aus dem Nichts auftaucht, wenn das Virus so ansteckend und so mörderisch „designed“ ist?) automatisch auf die Seite der kommunistischen Internetzeitung „Kommunisten-Online“. Dr. Ralph Kutza bietet dort – zwar noch auf der Basis des inzwischen veralteten Vogelgrippevirus - das volle Verschwörungs-Programm:

Zitat:

„El Thawra“ begründete seinen Verdacht mit dem Hinweis auf einen 1998 in der „Sunday Times“ erschienen Artikel, in dem behauptet wurde, Israel entwickle eine „ethnische Bombe“, die Araber, aber keine Juden töten würde.

Laut „Times“ würden israelische Wissenschaftler versuchen, die für Araber charakteristischen Gene zu identifizieren, um diese dann mit einem spezifischen Virus anzugreifen. Das Programm werde vom Biologischen Forschungsinstitut Nes Ziona bei Tel Aviv ausgeführt.

„Unkontrollierbare Pandemie“

„Heute ist die Frage, ob es sich bei dem von den Zionisten für ihre 'ethnische Bombe“ gewählten Virus um die Vogelgrippe handelt“, schrieb „El Thawra“. Israel habe 85.000 infizierte Vögel im Westjordanland begraben.
Das könnte zur Ansteckung eines Palästinensers aus Jerusalem mit der Vogelgrippe geführt haben. „Auch wenn das Virus so modifiziert sein sollte, dass es nur die Gene der Araber spezifisch angreift, wird es sich über die arabische Welt hinaus verbreiten und zu einer unkontrollierbaren Pandemie werden“, warnte das Blatt.

Sollte etwa hierin der Grund dafür verborgen sein, daß in den führenden westlichen Staaten dieser gelinde gesagt so „befremdlich” bzw. wie eine dreiste „Propaganda-Ente“ anmutende Vorwurf Syriens so gut wie gar nicht aufgegriffen wurde? Was läge zur Klärung dieser Frage näher als sich den ursprünglichen Artikel der Sunday Times einmal genauer anzusehen? Gehen wir also in medias res.

Am 15.11.1998 veröffentlichte die britische Sunday Times unter der Rubrik „Mittlerer Osten” den Artikel „ Israel planning 'ethnic' bomb as Saddam caves in” von Uzi Mahnaimi und Marie Colvin…“

Es folgt auszugsweise eine Übersetzung des Artikels der Sunday Times:

Zitat:

"Mit der Entwicklung ihrer „Ethno-Bombe“ versuchen israelische Wissenschaftler medizinische Fortschritte auszunutzen, indem sie charakteristische Gene, die einige Araber in sich tragen, identifizieren, und dann ein genetisch modifiziertes Bakterium oder Virus schaffen.
Es ist beabsichtigt, die Fähigkeit von Viren und bestimmten Bakterien, die DNA in den lebenden Zellen ihres Wirts zu ändern, zu nutzen. Die Wissenschaftler versuchen, tödliche Mikroorganismen zu erzeugen, die nur jene angreifen, die die charakteristischen Gene haben.

Das Programm ist am biologischen Institut in Nes Ziona lokalisiert, der Hauptforschungsstätte für Israels geheimes Arsenal an chemischen und biologischen Waffen.

Ein dortiger Wissenschaftler sagte, die Aufgabe wäre höchst kompliziert, weil sowohl Araber als auch Juden semitischen Ursprungs seien. Aber er fügte hinzu: „Es ist ihnen jedoch gelungen, eine spezielle Charakteristik im genetischen Profil bestimmter arabischer Gemeinschaften, vor allem des irakischen Volkes, genau zu bestimmen.“ Die Krankheit könnte verbreitet werden durch das Versprühen der Organismen in der Luft oder durch ihre Freisetzung in Wasservorräten.

Die Forschung spiegelt biologische Studien wider, die südafrikanische Wissenschaftler während der Zeit der Apartheid durchführten und die vor der Wahrheits- und Aussöhnungskommission enthüllt und bezeugt wurden.
Die Idee, daß ein jüdischer Staat solche Art Forschung betreibt, hat wegen der Parallelen zu den genetischen Experimenten von Dr. Josef Mengele, dem Nazi-Wissenschaftler in Auschwitz, bereits Empörung in einigen Lagern hervorgerufen.

Dedi Zucker, ein Mitglied der Knesset, des israelischen Parlaments, verurteilte gestern die Forschung. „In moralischer Hinsicht ist, basierend auf unserer Geschichte, unserer Tradition und unserer Erfahrung, solch eine Waffe monströs und sollte abgelehnt werden“, sagte er.
Einige Experten sagten, daß - obwohl das Konzept einer Waffe mit ethnischer Zielausrichtung durchführbar sei - die praktischen Aspekte ihrer Herstellung enorm wären.

Dr. Daan Goosen, Leiter einer südafrikanischen Chemie- und Bio-Waffenfabrik, sagte, seinem Team sei in den 80er Jahren befohlen worden, eine „Pigmentierungswaffe“ zu entwickeln, um ausschließlich schwarze Leute zu treffen…“

Nun, Barack H u s s e i n Obama ist zwar kein Schwarzer, aber zumindest ist er ein Halbschwarzer mit afrikanischem Elternteil. Das hätte also klappen können mit der viralen Ethnobombe, wenn der Mossad sie zwischenzeitlich in Nes Ziona mithilfe von Blaupausen aus der Biowaffenforschung des untergegangenen Apartheidsregime Südafrikas gegen den Halbschwarzen Obama updaten konnte. Zeit zum Üben und für Testläufe (Mord an Arafat?) hatte Nes Ziona zwischenzeitlich ja genug. Vielleicht ist in Mexiko auch nur "just for fun" oder zur Einschüchterung die Fähigkeit zum Einsatz von Biowaffen demonstriert worden. Nur in Mexiko hat es bisher Todesfälle gegeben, sowas fällt auf. An der Independent-Story über das überraschende Hinscheiden des Mexikaners Felipe Solis könnte demnach mehr dran sein, als man sich wünschen möchte.

Immerhin meldete RIA NOWOSTY am 22.04.09, nach dem Probelauf in Gaza seien die Vorbereitungen der IDF für einen Vernichtungsschlag ISRAELS gegen den IRAN abgeschlossen. Israel ist zum Krieg gegen den Iran bereit. Netanyahu habe sich bei einem Besuch des IDF-Generalstabs hocherfreut über die großen Fortschritte bei den Angriffsplanungen gezeigt. Das faschistische Militärregime in Tel Aviv soll es sich (in der IDF-eigenen Terminologie) zum Ziel gesetzt haben, die Nukleartechnik des IRAN samt Ein- und Anwohnern bis 2010 "auszulöschen, zu vernichten, kurz: den IRAN von der Landkarte zu fegen".

Da müssten die rechten Itzhaks im Pentagon und in Tel Aviv ja nur noch ein einziges lebendes Hindernis überwinden: den Halbschwarzen Barack Obama im Weißen Haus, der immer noch zäh auf einer Verhandlungslösung besteht.
Obama scheint bei den Rechtsextremisten in TelAviv mit seiner Zwei-Staaten-Lösung in Nahost endgültig in Ungnade gefallen zu sein, nachdem es nur so aussieht, als ob nach der angestrebten Vereinigung der zerrissenen palästinensischen Fraktionen die US-Hilfsgelder an eine kombinierte Hamas-Fatah-Regierung in Palästina fließen könnten.

Verschwörungen, so weit das Auge reicht...

Aber vergessen wir nicht, die „Verschwörungstheoretiker“ der Sunday Times lagen ja bei der Veröffentlichung der Vanunu-Berichte über die israelische Atomwaffenproduktion in Dimona auch auf der richtigen Seite.

Gekrönt wird das kommunistische Verschwörungsgeflüster durch Auszüge aus dem Buch „Geheimakte Mossad” (Originaltitel: „The Other Side of Deception”) des früheren Mossad-Offiziers (und nunmehr mutmaßlich untergetaucht in Kanada lebenden Mossad–aussteigers) Victor Ostrovsky*:

„Hier trat ich als Militärpolizist in Aktion. Ich mußte die Gefangenen in ein Lager in Nes Ziyyona bringen, eine kleine Stadt südlich von Tel Aviv. Ich hatte immer geglaubt, daß es ein Verhörzentrum des Shaback sei. Wir wußten zwar, daß ein Gefangener, der dorthin gebracht wurde, niemals lebendig herauskam, aber die Gehirnwäsche, der wir alle in unserem jungen Leben unterzogen worden waren, ließ uns einfach glauben, daß ihr Leben gegen unseres stand.

Ein Zwischending gab es nicht.

Uri klärte mich über das Lager Nes Ziyyona auf. Es war, wie er es nannte, ein Laboratorium für die Kriegführung mit ABC-Waffen. Dort entwickelten unsere Spitzenforscher aus dem Bereich der Epidemiologie verschiedene Todeswaffen. Weil wir so verwundbar seien und nur eine einzige Chance in einem totalen Krieg haben würden, in dem solche Waffen zum Einsatz kämen, dürfte man nichts dem Zufall überlassen, hieß es. Die palästinensischen Eindringlinge kamen den Leuten in dem Laboratorium gerade recht.
Sie konnten sich dadurch Gewißheit verschaffen, ob die entwickelten Waffen auch wirkten und wie schnell sie wirkten, um sie eventuell noch zu verbessern. Wenn ich an diese Enthüllungen zurückdenke, erschreckt mich nicht so sehr die Tatsache, daß so etwas durchgeführt wurde, sondern die Gelassenheit und das Verständnis, mit denen ich diese Tatsachen damals akzeptierte.

Jahre später traf ich Uri wieder. Er war zu dem Zeitpunkt im Mossad ein altgedienter Katsa in der AI-Abteilung und ich ein Neuling. Er kam von einem Auftrag in Südafrika zurück. Ich arbeitete vorübergehend in einem Ressort der Dardasim-Abteilung als Verbindungsmann und half ihm, eine große Ladung Medikamente nach Südafrika zu verschiffen. Die Sendung wurde von mehreren israelischen Ärzten begleitet, die in Soweto, der Schwarzenstadt vor den Toren Johannesburgs, humanitäre Arbeit leisten sollten. Die Ärzte würden bei der Behandlung von Patienten in einer Klinik helfen, die ein Ableger des Baragwanath-Hospitals in Soweto war, ein paar Blöcke von den Häusern Winnie Mandelas und Bischof Desmond Tutus entfernt. Das Hospital und die Klinik wurden von einem Hospital in Baltimore, Maryland, unterstützt, das ebenfalls dem Mossad als cut-out diente.

»Was ist das für eine humanitäre Hilfe vom Mossad an die Schwarzen in Soweto?« fragte ich ihn. Mir erschien das nicht logisch. Ich sah darin weder einen kurzfristigen politischen Gewinn, worauf der Mossad stets Wert legte, noch irgendeinen ersichtlichen ökonomischen Vorteil.

»Du erinnerst dich an Nes Ziyyona?« Seine Frage ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Ich nickte.

»Das ist so ziemlich dasselbe. Wir erforschen und testen für mehrere israelische Pharmahersteller sowohl neue ansteckende Krankheiten als auch neue Medikamente, die in Israel an Menschen nicht ausprobiert werden können. Das wird ihnen die Führung auf dem Weltmarkt bringen, und sie kriegen raus, ob sie auf der richtigen Spur sind, was ihnen Millionen an Forschungsgeldern erspart.«
Erschreckend, nicht wahr?“

Die Pharmaindustrie („Tamiflu“ von Roche) also steckt hinter der globalen Massenpanik, da bleibt dir glatt die Spucke weg. Das muss man den Itzhaks lassen, aufs Geschäft verstehen sie sich. Und sie verbinden immer das Angenehme mit dem Nützlichen. Da wundert man sich auch nicht mehr, wenn die H1N1-Grippeviren jetzt schon durch unglückliche Z u f ä l l e im ICE, wie gestern bei Freiburg, verstreut werden (NZZ).

_________________________________________________________________

* Weiterführende Links und Literatur:

1.) Biowaffenkonvention

"Die Biowaffenkonvention, mit vollem Titel „Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen sowie über die Vernichtung solcher Waffen“, ist ein am 16. Dezember 1971 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommener völkerrechtlicher Vertrag, der die Herstellung und die Verbreitung von biologischen Waffen verhindern soll. Sie ist zusammen mit der 1993 abgeschlossenen Chemiewaffenkonvention ein Nachfolgeabkommen zum Genfer Protokoll von 1925, mit dem erstmals der Einsatz von giftigen Gasen und bakteriologischen Methoden als Methoden zur Kriegsführung vertraglich verboten wurde (Wikipedia).

2.) The Sunshine Project: http://www.sunshine-project.org/index.html (Die Webseite wird seit dem 01. Februar 2008 nicht mehr gepflegt. Gründe werden aaO nicht angegeben.)

3.) LINKEZEITUNG: "Unfälle im Biowaffen-Labor vertuscht - US Behörde stoppt weitere Experimente" (http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=2948&Itemid=249)

4.) Der Spiegel: "Israel testete Anthrax-Impfstoff an Hunderten Soldaten"
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,483115,00.html)

5. Victor Ostrovsky, "Geheimakte Mossad” (Originaltitel: „The Other Side of Deception”)

6. Seymour M. Hersh, "Atommacht Israel" (Originaltitel: "The Samson Option")

7. Yoel Cohen, "Die Vanunu Affäre" (Originaltitel:"Nuclear Ambiguity the Vanunu Affair")

8. Wolf Blitzer, "Territory of Lipseudowisse

























Schweinekiller-Virus aus israelischem Biowaffenlabor Nes Ziona?
rhbl

Gestern überraschte der seriöse INDEPENDENT seine Online-Leser mit einer so traurigen wie beunruhigenden Nachricht:

Felipe Solis, ein bedeutender Archäologe in Mexiko-Stadt, hatte Barack Obama bei dessen Mexiko-Besuch Mitte des Monats April 2009 im Anthropologischen Museum von Mexiko-City als Bärenführer gedient. Noch am 16. April 2009 hatte der kundige Archäologe Felipe Solis den amerikanischen Präsidenten beim Galadiner im Museum betreut. Er ist am Tag danach p l ö t z l i c h und unerwartet an Grippe-ähnlichen Symptomen verstorben.




Schweinegrippevirus unter dem Elektronenmikroskop


Natürlich denkt da jedermann sofort an das überraschende Auftauchen des rätselhaft veränderten Schweinegrippe-Virus A/H1N1 ausgerechnet in Mexiko-City! Ein Killer-Virus, das aussieht wie maßgeschneidert aus einem Bio-Kriegswaffen-Labor. FAZ-NET meldet auffallend knapp: "Über das Entstehen des Virus ist wenig bekannt." In der mexikanischen Ortschaft "La Gloria" soll der bisherige "Patient null" aufgespürt worden sein, doch muss der Ursprung des Schweinegrippe-Erregers tatsächlich nicht in der Ortschaft liegen. Wie die New York Times schreibt, leben dort viele Immigranten aus den USA. Daher könnte das Virus laut mexikanischen Seuchenexperten auch von außen gekommen sein.

[Eilmeldung: Soeben meldet die angesehene franz. Tageszeitung "Le Monde", Obama`s Pressesprecher Robert Gibbs habe mitgeteilt, es könne vor zwei Wochen bei dem fraglichen Mexiko-Besuch Obama`s in dessen Begleitmannschaft jemand gewesen sein, der an dem Schweinegrippevirus A/H1N1 erkrankt gewesen sei, Text:

"Possible cas de grippe porcine dans la délégation Obama au Mexique
30.04.09 | 19h49

Le porte-parole de Barack Obama Robert Gibbs a fait état jeudi d'un possible cas de grippe porcine dans la délégation ayant accompagné le président américain au Mexique en avril."

Interessante Meldung. In der Kürze liegt die Würze.]




Riesenmutation im chinesischen Jahr des Schweins? Kann das Virus noch gestoppt werden? Mit bis zu 100 Millionen Toten (die Zahl wurde von einem Journalisten in der WHO-Pressekonferenz genannt) bei einer weltweiten Pandemie (in Deutschland bis zu 170.000 Toten, "Stern") rechnen "Hysteriker". Dank der Fortschritte in der Hygiene (Atemschutzmasken, Händewaschen nicht vergessen!) dürfte dieser Kelch wohl an uns vorübergehen. Die Panikmache der Journaille ist bloß zur Umsatzsteigerung gekaufte Zweckpropaganda der Pharmaindustrie (Roche pp.) .


Auch zum Virusnachweis weiß die FAZ im gleichen Artikel Merkwürdiges zu berichten: "Eine Schwierigkeit dabei: Mit dem Standardverfahren, dem sogenannten PCR-Test („Polymerase Chain Reaction“, Polymerase-Kettenreaktion), der auch beim genetischen Fingerabdruck zum Einsatz kommt, ist diesem Virus nicht beizukommen. Der Erreger trägt genetisches Material vom Schwein, von Vögeln und vom Menschen in sich, der Präsident des RKI, Jörg Hinrich Hacker, spricht von einem „Mosaikvirus“. Das entscheidende Sequenzstück, das durch den PCR-Text normalerweise erkannt wird, fehlt aber." Soso ihr Krummnasen, ja dann viel Glück beim Entwickeln des Impfstoffs!

"A/H1N1-Schwein" kann anders als die Vogelgrippe erstmals problemlos durch Tröpfcheninfektion, also beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen werden. 152 Mexikaner sind laut dortigem Gesundheitsminister an der merkwürdigen Schweinegrippe gestorben, 1600 erkrankt. Inzwischen rudert Mexiko zurück, nur sieben Todesfälle sollen nachweislich auf den A/H1N1-Virus zurückgeführt werden können.

Das Virus hat sich per Flugtourismus schon bis Neuseeland ausgebreitet. Derweil bettelt das bitterarme Mittelamerika um wirksame Medikamente. Warum die unterbelichteten WHO-Offiziellen nicht sofort genug "Tamiflu" oder "Relenza" - Medikamente an Mexiko geliefert haben und bis jetzt weder Mexikos Grenzen noch Flughäfen schließen ließen, bleibt ihr Geheimnis. An Geld dürfte es in Genf nicht mangeln.

Am 29.04.09 wurde mit der "Phase Fünf" die zweithöchste Stufe im Phasenkonzept der WHO zur Eindämmung/Verhinderung einer Pandemie ausgerufen.

Auch einen 26jährigen Israeli, der mit einem Kumpel - warum wohl - im selben Zeitraum wie Obama in Mexiko-City war, hat es erwischt. Er konnte in Israel, wo - oh Wunder - das richtige Gegenmittel sofort zur Hand war, unverzüglich gesund gemacht werden.

Sollte auch Felipe Solis an der Schweinegrippe gestorben sein? Nicht doch, beruhigt der Sprecher des mexikanischen Gesundheitsministers. Er sagt, Solis starb an „Pneumonia“ und es wird im Traum nicht gedacht, dass er sich etwa den Schweinegrippenvirus an Land gezogen haben könnte. Eine Autopsie wäre da eigentlich überfällig gewesen, aber man hört nichts. Eisiges Schweigen.

Soviel Naivität überrascht nun wieder. Die Ärzte des US-Präsidenten versichern derweil, Obama sei sauber und zeige trotz der maliziösen Begegnung keine Grippe-Symptome nach der üblichen Inkubationszeit von vier bis sechs Tagen, so der Sprecher des Weißen Hauses.

Damit könnte diese Story zu Ende sein. Wenn nicht, ja wenn nicht gestern zufällig auch die B 747 des US-Präsidenten eine halbe Stunde lang in Begleitung von zwei Abfangjägern der US-Airforce im Tiefflug über New York gekreist wäre, "um ein bißchen zu fotografieren", wie es heißt. Das ist doch sehr komisch. "Um ein bißchen zu fotografieren" nimmt man doch nicht die Präsidentenmaschine. Dafür gibt es doch auf Luftaufnahmen spezialisierte Bildagenturen. Der normale Bürger von New York sei informiert gewesen, heißt es im TV. Dennoch stürzten, wie TV-Bilder der ZDF-Mediathek belegen, Hunderte fluchtartig aus ihren Wolkenkratzern und suchten Deckung in den nächstgelegenen U-Bahn-Schächten. Offenbar waren nicht A l l e New Yorker informiert worden. Cui bono, wem nützt die ganze Schweinekiller-Virus-Panik? Wer steckt hinter der "Schweinerei" und wollte Obama, der gerade 100 Tage im Amt ist, durch den Tiefflug zusätzlich ein wenig in Mißkredit bringen? Irgendwas ist hier nicht ganz koscher.

Auf der Suche nach der Wahrheit (russ.: „Prawda“) gerät man via Yahoo mit dem Stichwort „Biowaffen“ (was könnte H1N1 denn anderes sein als ein Killer-Virus, wenn der Keim so urplötzlich aus dem Nichts auftaucht, wenn das Virus so ansteckend und so mörderisch „designed“ ist?) automatisch auf die Seite der kommunistischen Internetzeitung „Kommunisten-Online“. Dr. Ralph Kutza bietet dort – zwar noch auf der Basis des inzwischen veralteten Vogelgrippevirus - das volle Verschwörungs-Programm:

Zitat:

„El Thawra“ begründete seinen Verdacht mit dem Hinweis auf einen 1998 in der „Sunday Times“ erschienen Artikel, in dem behauptet wurde, Israel entwickle eine „ethnische Bombe“, die Araber, aber keine Juden töten würde.

Laut „Times“ würden israelische Wissenschaftler versuchen, die für Araber charakteristischen Gene zu identifizieren, um diese dann mit einem spezifischen Virus anzugreifen. Das Programm werde vom Biologischen Forschungsinstitut Nes Ziona bei Tel Aviv ausgeführt.

„Unkontrollierbare Pandemie“

„Heute ist die Frage, ob es sich bei dem von den Zionisten für ihre 'ethnische Bombe“ gewählten Virus um die Vogelgrippe handelt“, schrieb „El Thawra“. Israel habe 85.000 infizierte Vögel im Westjordanland begraben.
Das könnte zur Ansteckung eines Palästinensers aus Jerusalem mit der Vogelgrippe geführt haben. „Auch wenn das Virus so modifiziert sein sollte, dass es nur die Gene der Araber spezifisch angreift, wird es sich über die arabische Welt hinaus verbreiten und zu einer unkontrollierbaren Pandemie werden“, warnte das Blatt.

Sollte etwa hierin der Grund dafür verborgen sein, daß in den führenden westlichen Staaten dieser gelinde gesagt so „befremdlich” bzw. wie eine dreiste „Propaganda-Ente“ anmutende Vorwurf Syriens so gut wie gar nicht aufgegriffen wurde? Was läge zur Klärung dieser Frage näher als sich den ursprünglichen Artikel der Sunday Times einmal genauer anzusehen? Gehen wir also in medias res.

Am 15.11.1998 veröffentlichte die britische Sunday Times unter der Rubrik „Mittlerer Osten” den Artikel „ Israel planning 'ethnic' bomb as Saddam caves in” von Uzi Mahnaimi und Marie Colvin…“

Es folgt auszugsweise eine Übersetzung des Artikels der Sunday Times:

Zitat:

"Mit der Entwicklung ihrer „Ethno-Bombe“ versuchen israelische Wissenschaftler medizinische Fortschritte auszunutzen, indem sie charakteristische Gene, die einige Araber in sich tragen, identifizieren, und dann ein genetisch modifiziertes Bakterium oder Virus schaffen.
Es ist beabsichtigt, die Fähigkeit von Viren und bestimmten Bakterien, die DNA in den lebenden Zellen ihres Wirts zu ändern, zu nutzen. Die Wissenschaftler versuchen, tödliche Mikroorganismen zu erzeugen, die nur jene angreifen, die die charakteristischen Gene haben.

Das Programm ist am biologischen Institut in Nes Ziona lokalisiert, der Hauptforschungsstätte für Israels geheimes Arsenal an chemischen und biologischen Waffen.

Ein dortiger Wissenschaftler sagte, die Aufgabe wäre höchst kompliziert, weil sowohl Araber als auch Juden semitischen Ursprungs seien. Aber er fügte hinzu: „Es ist ihnen jedoch gelungen, eine spezielle Charakteristik im genetischen Profil bestimmter arabischer Gemeinschaften, vor allem des irakischen Volkes, genau zu bestimmen.“ Die Krankheit könnte verbreitet werden durch das Versprühen der Organismen in der Luft oder durch ihre Freisetzung in Wasservorräten.

Die Forschung spiegelt biologische Studien wider, die südafrikanische Wissenschaftler während der Zeit der Apartheid durchführten und die vor der Wahrheits- und Aussöhnungskommission enthüllt und bezeugt wurden.
Die Idee, daß ein jüdischer Staat solche Art Forschung betreibt, hat wegen der Parallelen zu den genetischen Experimenten von Dr. Josef Mengele, dem Nazi-Wissenschaftler in Auschwitz, bereits Empörung in einigen Lagern hervorgerufen.

Dedi Zucker, ein Mitglied der Knesset, des israelischen Parlaments, verurteilte gestern die Forschung. „In moralischer Hinsicht ist, basierend auf unserer Geschichte, unserer Tradition und unserer Erfahrung, solch eine Waffe monströs und sollte abgelehnt werden“, sagte er.
Einige Experten sagten, daß - obwohl das Konzept einer Waffe mit ethnischer Zielausrichtung durchführbar sei - die praktischen Aspekte ihrer Herstellung enorm wären.

Dr. Daan Goosen, Leiter einer südafrikanischen Chemie- und Bio-Waffenfabrik, sagte, seinem Team sei in den 80er Jahren befohlen worden, eine „Pigmentierungswaffe“ zu entwickeln, um ausschließlich schwarze Leute zu treffen…“

Nun, Barack H u s s e i n Obama ist zwar kein Schwarzer, aber zumindest ist er ein Halbschwarzer mit afrikanischem Elternteil. Das hätte also klappen können mit der viralen Ethnobombe, wenn der Mossad sie zwischenzeitlich in Nes Ziona mithilfe von Blaupausen aus der Biowaffenforschung des untergegangenen Apartheidsregime Südafrikas gegen den Halbschwarzen Obama updaten konnte. Zeit zum Üben und für Testläufe (Mord an Arafat?) hatte Nes Ziona zwischenzeitlich ja genug. Vielleicht ist in Mexiko auch nur "just for fun" oder zur Einschüchterung die Fähigkeit zum Einsatz von Biowaffen demonstriert worden. Nur in Mexiko hat es bisher Todesfälle gegeben, sowas fällt auf. An der Independent-Story über das überraschende Hinscheiden des Mexikaners Felipe Solis könnte demnach mehr dran sein, als man sich wünschen möchte.

Immerhin meldete RIA NOWOSTY am 22.04.09, nach dem Probelauf in Gaza seien die Vorbereitungen der IDF für einen Vernichtungsschlag ISRAELS gegen den IRAN abgeschlossen. Israel ist zum Krieg gegen den Iran bereit. Netanyahu habe sich bei einem Besuch des IDF-Generalstabs hocherfreut über die großen Fortschritte bei den Angriffsplanungen gezeigt. Das faschistische Militärregime in Tel Aviv soll es sich (in der IDF-eigenen Terminologie) zum Ziel gesetzt haben, die Nukleartechnik des IRAN samt Ein- und Anwohnern bis 2010 "auszulöschen, zu vernichten, kurz: den IRAN von der Landkarte zu fegen".

Da müssten die rechten Itzhaks im Pentagon und in Tel Aviv ja nur noch ein einziges lebendes Hindernis überwinden: den Halbschwarzen Barack Obama im Weißen Haus, der immer noch zäh auf einer Verhandlungslösung besteht.
Obama scheint bei den Rechtsextremisten in TelAviv mit seiner Zwei-Staaten-Lösung in Nahost endgültig in Ungnade gefallen zu sein, nachdem es nur so aussieht, als ob nach der angestrebten Vereinigung der zerrissenen palästinensischen Fraktionen die US-Hilfsgelder an eine kombinierte Hamas-Fatah-Regierung in Palästina fließen könnten.

Verschwörungen, so weit das Auge reicht...

Aber vergessen wir nicht, die „Verschwörungstheoretiker“ der Sunday Times lagen ja bei der Veröffentlichung der Vanunu-Berichte über die israelische Atomwaffenproduktion in Dimona auch auf der richtigen Seite.

Gekrönt wird das kommunistische Verschwörungsgeflüster durch Auszüge aus dem Buch „Geheimakte Mossad” (Originaltitel: „The Other Side of Deception”) des früheren Mossad-Offiziers (und nunmehr mutmaßlich untergetaucht in Kanada lebenden Mossad–aussteigers) Victor Ostrovsky*:

„Hier trat ich als Militärpolizist in Aktion. Ich mußte die Gefangenen in ein Lager in Nes Ziyyona bringen, eine kleine Stadt südlich von Tel Aviv. Ich hatte immer geglaubt, daß es ein Verhörzentrum des Shaback sei. Wir wußten zwar, daß ein Gefangener, der dorthin gebracht wurde, niemals lebendig herauskam, aber die Gehirnwäsche, der wir alle in unserem jungen Leben unterzogen worden waren, ließ uns einfach glauben, daß ihr Leben gegen unseres stand.

Ein Zwischending gab es nicht.

Uri klärte mich über das Lager Nes Ziyyona auf. Es war, wie er es nannte, ein Laboratorium für die Kriegführung mit ABC-Waffen. Dort entwickelten unsere Spitzenforscher aus dem Bereich der Epidemiologie verschiedene Todeswaffen. Weil wir so verwundbar seien und nur eine einzige Chance in einem totalen Krieg haben würden, in dem solche Waffen zum Einsatz kämen, dürfte man nichts dem Zufall überlassen, hieß es. Die palästinensischen Eindringlinge kamen den Leuten in dem Laboratorium gerade recht.
Sie konnten sich dadurch Gewißheit verschaffen, ob die entwickelten Waffen auch wirkten und wie schnell sie wirkten, um sie eventuell noch zu verbessern. Wenn ich an diese Enthüllungen zurückdenke, erschreckt mich nicht so sehr die Tatsache, daß so etwas durchgeführt wurde, sondern die Gelassenheit und das Verständnis, mit denen ich diese Tatsachen damals akzeptierte.

Jahre später traf ich Uri wieder. Er war zu dem Zeitpunkt im Mossad ein altgedienter Katsa in der AI-Abteilung und ich ein Neuling. Er kam von einem Auftrag in Südafrika zurück. Ich arbeitete vorübergehend in einem Ressort der Dardasim-Abteilung als Verbindungsmann und half ihm, eine große Ladung Medikamente nach Südafrika zu verschiffen. Die Sendung wurde von mehreren israelischen Ärzten begleitet, die in Soweto, der Schwarzenstadt vor den Toren Johannesburgs, humanitäre Arbeit leisten sollten. Die Ärzte würden bei der Behandlung von Patienten in einer Klinik helfen, die ein Ableger des Baragwanath-Hospitals in Soweto war, ein paar Blöcke von den Häusern Winnie Mandelas und Bischof Desmond Tutus entfernt. Das Hospital und die Klinik wurden von einem Hospital in Baltimore, Maryland, unterstützt, das ebenfalls dem Mossad als cut-out diente.

»Was ist das für eine humanitäre Hilfe vom Mossad an die Schwarzen in Soweto?« fragte ich ihn. Mir erschien das nicht logisch. Ich sah darin weder einen kurzfristigen politischen Gewinn, worauf der Mossad stets Wert legte, noch irgendeinen ersichtlichen ökonomischen Vorteil.

»Du erinnerst dich an Nes Ziyyona?« Seine Frage ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Ich nickte.

»Das ist so ziemlich dasselbe. Wir erforschen und testen für mehrere israelische Pharmahersteller sowohl neue ansteckende Krankheiten als auch neue Medikamente, die in Israel an Menschen nicht ausprobiert werden können. Das wird ihnen die Führung auf dem Weltmarkt bringen, und sie kriegen raus, ob sie auf der richtigen Spur sind, was ihnen Millionen an Forschungsgeldern erspart.«
Erschreckend, nicht wahr?“

Die Pharmaindustrie („Tamiflu“ von Roche) also steckt hinter der globalen Massenpanik, da bleibt dir glatt die Spucke weg. Das muss man den Itzhaks lassen, aufs Geschäft verstehen sie sich. Und sie verbinden immer das Angenehme mit dem Nützlichen. Da wundert man sich auch nicht mehr, wenn die H1N1-Grippeviren jetzt schon durch unglückliche Z u f ä l l e im ICE, wie gestern bei Freiburg, verstreut werden (NZZ).

_________________________________________________________________

* Weiterführende Links und Literatur:

1.) Biowaffenkonvention

"Die Biowaffenkonvention, mit vollem Titel „Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) Waffen und Toxinwaffen sowie über die Vernichtung solcher Waffen“, ist ein am 16. Dezember 1971 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommener völkerrechtlicher Vertrag, der die Herstellung und die Verbreitung von biologischen Waffen verhindern soll. Sie ist zusammen mit der 1993 abgeschlossenen Chemiewaffenkonvention ein Nachfolgeabkommen zum Genfer Protokoll von 1925, mit dem erstmals der Einsatz von giftigen Gasen und bakteriologischen Methoden als Methoden zur Kriegsführung vertraglich verboten wurde (Wikipedia).

2.) The Sunshine Project: http://www.sunshine-project.org/index.html (Die Webseite wird seit dem 01. Februar 2008 nicht mehr gepflegt. Gründe werden aaO nicht angegeben.)

3.) LINKEZEITUNG: "Unfälle im Biowaffen-Labor vertuscht - US Behörde stoppt weitere Experimente" (http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=2948&Itemid=249)

4.) Der Spiegel: "Israel testete Anthrax-Impfstoff an Hunderten Soldaten"
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,483115,00.html)

5. Victor Ostrovsky, "Geheimakte Mossad” (Originaltitel: „The Other Side of Deception”)

6. Seymour M. Hersh, "Atommacht Israel" (Originaltitel: "The Samson Option")

7. Yoel Cohen, "Die Vanunu Affäre" (Originaltitel:"Nuclear Ambiguity the Vanunu Affair")

8. Wolf Blitzer, "Territory of Lies"

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